Interview
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Dani Levyk (Regisseur von "Das Leben ist zu lang")
Humor als Waffe
Dani Levy hat gut lachen
Humor liegt Dani Levy im Blut. Schon als Kind unterhielt er sein Publikum als Clown. Mit Komödien wie "Alles auf Zucker!" wurde der Regisseur erfolgreich. Nichts zu lachen hat hingegen Regisseur Alfi Seliger, der Protagonist seines aktuellen Films "Das Leben ist zu lang". Welche Gemeinsamkeiten zwischen Levy und seinem neurotischen Anti-Helden bestehen, verrät er uns im Interview. Zudem erklärt er, wie Familie und Beruf unter einen Hut passen. Natürlich kommt der Humor dabei nicht zu kurz...
Von  Carlos Corbelle/Filmreporter.de,  27. August 2010
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Das Leben ist zu lang
Ricore: Meinen Sie, dass das Leben zu lang ist?

Dani Levy: Nein, es ist natürlich nicht zu lang. Die Frage ist, was man mit seinem Leben macht und ob man es sinnvoll nutzt. Es gibt Leute, die ihr Leben verplempern. Ich habe schon das Gefühl oder die Hoffnung, dass der Mensch nach einem gewissen Sinn strebt und mit seinem Leben etwas Sinnstiftendes oder Kreatives machen will. Das muss nichts Künstlerisches, sondern kann auch Nachbarschaftsarbeit sein. Es geht darum, sich am Zustand der Welt zu beteiligen und aktiv zu sein. Wenn man das alles nicht tut, kann das Leben tatsächlich sehr lang sein. Ich habe den Titel aber eher als Provokation oder Anstoß gesehen, um einen bestimmten Widerstand hervorzurufen, weil die Leute meist sagen: "Das Leben ist doch immer zu kurz und man kommt zu nichts." Ich glaube, dass der Titel diese Diskussion anstößt. Was ist Zeit überhaupt für eine Einheit? Jemand hat einfach mal ein Zeitraster über uns alle gelegt. In diesem Zeitraster empfindet man etwas als kurz oder lang, aber man hat eigentlich gar keine richtige Relation. Diese Diskussion über Zeit fand ich eine philosophisch interessante Frage.

Ricore: Gab es denn Phasen, in denen Ihnen Ihr Leben zu lang vorkam, auch wenn es insgesamt dann doch zu kurz ist?

Levy: Wenn einem langweilig ist, ist die Zeit offensichtlich zu lang. Doch ich finde, Langeweile ist manchmal ein Luxus. Ich finde, auch Faulenzen hat manchmal eine große Qualität. Auch Dinge nicht immer hyperaktiv in Angriff zu nehmen, sondern gelassen schleifen zu lassen, kann sehr gesund sein. Aber es gibt auch Phasen in meinem Leben, in denen ich Langeweile überhaupt nicht mag. Zum Beispiel im Kino [lacht]. Ein schlechter Film ist einfach vertane Lebenszeit. Beim Betrachten sind es nur zwei Stunden, die man vertut. Das finde ich nicht so tragisch. Aber wenn man einen schlechten Film macht, wirklich ein oder zwei Jahre seines Lebens damit verbringt, etwas zu tun, das sich am Schluss nicht lohnt, dann wird das Leben eher zu kurz als zu lang. Doch das sind Sachen, die mir Gott sei Dank noch nicht passiert sind. Das klingt jetzt etwas lapidar, doch ich glaube viele Leute vertun sich viele Jahre ihres Lebens mit Sachen, die überhaupt nicht nötig sind. Das kennt aber jeder von uns, denn wir sind ein Stück weit geboren, um Fehler zu machen. Man hat Beziehungen, die einem nicht guttun, die löst man dann wieder auf. Man hat vielleicht einen Beruf gewählt, der einem dann keinen Spaß macht. In solchen Phasen habe ich das Gefühl, dass das Leben dann auch mal zu lang sein kann.
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Dani Levy


Ricore: In "Das Leben ist zu lang" ist Protagonist Alfi Seliger eine Art Alter Ego von Ihnen. Welche Gemeinsamkeiten bestehen zwischen Ihnen und Ihrer Figur?

Levy: Er ist eine Art Alter Ego, das ist richtig. Trotzdem ist er eine filmische Erfindung. Er hat natürlich Gedanken und Macken von mir bekommen. Auch einiges Autobiographisches, wie meine Angst vor Krankheiten, das Hin- und Hergerissen sein zwischen meiner Liebe zum Film und der Liebe zu meiner Familie, dass ich manchmal nicht richtig weiß, wer ich eigentlich bin. Auch das Hinterfragen der Existenz. Macht es überhaupt Sinn, dass ich Filme mache? All diese Dinge hat er von mir mitbekommen. Trotzdem geht es ihm deutlich schlechter als mir. Deswegen habe ich auch den Luxus, so eine Figur zu schaffen und sie liebevoll zu zeichnen. Ich finde ja, dass Menschen in der Krise ein ganz wichtiges Element von Komödien sind. Menschen, denen es gut geht, will niemand sehen. Eine existentielle Krise ist der richtige Zündstoff für eine Komödie. Dafür wäre mein Leben nicht so dankbar, wie das von Alfi Seliger.

Ricore: Sie hatten also bislang noch keine existentielle Krise.

Levy: Nein, ich war natürlich auch schon traurig, wenn mal ein Film nicht so gut gelaufen ist, wie ich dachte, wenn die Resonanz nicht so liebevoll ausgefallen ist, wie ich mir gewünscht habe oder wenn Filme missverstanden wurden. Aber diese Verlorenheit und dieses erbitterte Kämpfen, um überhaupt wahrgenommen zu werden, wie bei Alfi Seliger, das kenne ich nicht.

Ricore: Wie schwer fällt Ihnen der Spagat zwischen Familie und Beruf?

Levy: Das ist tatsächlich schwierig. Ich finde das Problem gar nicht so sehr, die Zeit in der Familie zu haben. Das Problem ist vielmehr, seine innere, sehr engagierte Beschäftigung mit einem Filmprojekt in der Zeit mit den Kindern und der Familie wirklich außen vor zu lassen. Das ist schwierig. Wenn man einen Beruf ausübt, den man sozusagen um 19 Uhr abschließt und wirklich draußen lassen kann, wenn man nach Hause kommt, steht man als Papa und Ehemann voll zur Verfügung. Wenn man aber etwas macht, das einen so aufwühlt, wie das Filmemachen, ist es schwierig, das einfach draußen zu lassen. Ich brauche dann eine bestimmte Zeit mit meiner Familie, damit ich dort ankomme und auch richtig da bin. Ich glaube, dass das zum einen ein ganz typisches Problem von Berufstätigen und zum anderen auch garantiert ein Künstlerschicksal ist. Ein Künstler arbeitet eben aus der Leidenschaft heraus. Das fordert mich geistig und emotional. Das ist wie eine Geliebte, in Anführungsstrichen. Sich da zu entscheiden, ist da nicht einfach. Aber ich kann es mir nicht anders vorstellen. Ich finde es für die Familie schöner, dass der Papa oder die Mama - meine Frau ist ja auch kreativ tätig - etwas machen, dass sie wirklich erfüllt und in diesen Konflikt bringt. Das ist besser, als etwas zu machen, das einen nicht erfüllt und dann ist man zu Hause so ein Stinkepeter.
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Alles auf Zucker
Ricore: In "Das Leben ist zu lang" hat Ihre Tochter Seligers Tochter gespielt. Wie war diese Zusammenarbeit für Sie?

Levy: Das war natürlich ein Glücksfall und es ging von ihr aus. Es war nicht so, dass ich die Rolle für meine Tochter geschrieben habe, damit ich mehr Zeit mit ihr verbringen kann. Bei der Rolle der Romy habe ich natürlich an meine Tochter gedacht, aber Romy war eigentlich ein bisschen älter angesetzt und ich bin erst mal gar nicht darauf gekommen, dass sie das spielen könnte. Meine Tochter hat mich dann aber gelöchert und gefragt, ob es da nicht eine Rolle für sie gäbe. Sie hatte Blut geleckt, nachdem sie eine kleine Rolle in einem Kurzfilm gespielt hatte, den ich davor gemacht hatte. Dann habe ich ihr erklärt, dass sie auch ein Casting machen müsste, doch sie hat sich nicht beirren lassen. Obwohl sie auch Angst davor hatte, haben wir Probeaufnahmen mit ihr gemacht und ich habe tatsächlich ein Talent und eine Fähigkeit bei meiner Tochter entdeckt, die ich vorher nicht bei ihr kannte. Das war für mich natürlich ein Riesenglück, dass sie dabei war. Sie hatte zehn oder zwölf Drehtage und sie konnte sehen, wie so ein Film gedreht wird, dass das Teamwork ist und eben nicht nur die Schauspieler sind, die da arbeiten. Es sind ganz viele Menschen, die ihre einzelnen Bedürfnisse zurückstellen für ein gemeinsames Projekt. Das war für sie, glaube ich, eine ganz wichtige Erfahrung.

Ricore: Will sie nun auch weiterhin schauspielern?

Levy: Ich befürchte ja [lacht]. Aber sie ist nicht so ein Filmkind geworden, das sagt, sie müsse jetzt in eine Agentur. Sie ist da unbedarft und auf eine schöne Art noch sehr kindlich.

Ricore: Dann haben Sie es mit ihr nicht so schwer, wie Alfi Seliger mit seiner Tochter.

Levy: Nein, so schlimm ist sie nicht. Aber sie kannte natürlich die Stimmungen ihrer Rolle, sie musste sich da nicht verstellen, aber sie ist, Gott sei Dank, nicht mehr so. So wie Romy im Film ist, kennen das viele Eltern von ihren Kindern. Die sagen schnell mal, dass sie eine andere Mama oder einen anderen Papa wollen. Kinder sind heute auf eine bestimmte Art viel respektloser, was ich schön finde. Früher wurde so autoritär, teilweise mit Prügel und wirklich harten Maßnahmen die freie Äußerung und das Ego des Kindes bekämpft. Heute sind die Kinder viel aufmüpfiger und sagen solche Sache wie Romy.
Heike Maleschka/Ricore Text
Dani Levy bei der Berlinale 2007
Ricore: Ihr Film erinnert an Werke von Woody Allen. Wie wichtig war dessen Einfluss für Sie?

Levy: Ich glaube, ich habe ein Stück Woody Allen mit der Muttermilch eingesogen. Natürlich ist er ein wichtiger Ziehvater für diese Art von Filmen, weil er es geschafft hat, die kleinen psychischen Neurosen, Familienzwistigkeiten, die gesellschaftlichen Probleme zwischen Juden und Nicht-Juden, Politik und Showbusiness so zu schönen und unterhaltsamen Komödien zu machen. Ich finde, er steht für ein ganzes Genre, für eine Handschrift Pate. Auch jemand wie Pedro Almodóvar wäre unter Umständen nicht denkbar ohne Allen. Natürlich wäre auch Allen nicht ohne Billy Wilder, Ernst Lubitsch oder Frank Capra denkbar. Wir stehen alle in einer bestimmten Tradition zueinander. Das ist schön, denn alle Filmemacher befinden sich in einer Art Netzwerk, seit es Filme gibt. Das sind keine bewussten Adaptionen, das ist wie eine unsichtbare Verbindung. Wenn ich ins Kino gehe, speichere ich wahrscheinlich irgendwelche Gefühle unbewusst und die kommen dann wieder raus, wenn ich einen Film mache. Bei meinem neuen Film sehe ich natürlich Woody Allen, aber ich sehe auch andere Filmemacher wie Charlie Kaufman oder David Mamet, Verschwörungsfilme und Sydney Pollack, François Truffaut, Almodóvar, ein Stück weit Antonioni. Es sind so viele Filmemacher, von denen ich sagen würde, dass sie irgendwie ganz diskret Pate stehen. Das liebe ich auch, da fühle ich mich nicht so alleine.

Ricore: In "Das Leben ist zu lang" heißt es ironisch, dass der Film nicht zur Unterhaltung dienen solle. Wie sehen Sie das: Können Unterhaltung und Anspruch nicht auch Hand in Hand gehen?

Levy: Das muss zusammen gehen. Das ist unser großes Ziel, mein Persönliches und das von X Filme sowie von vielen befreundeten Kollegen. Natürlich wollen wir anspruchsvolle, intelligente, emotionale Filme für ein breites Publikum machen. Aber das ist schwierig. Diese berühmte Kluft zwischen Unterhaltung und ernsthaften Filmen, die ist ganz schön tief verankert, auch bei den Zuschauern. Ich habe oft das Gefühl, dass Leute abends vor dem Programmheft sitzen und sich überlegen: "Will ich heute was Leichtes oder will ich heute was Anspruchsvolles?" Als wäre das ein Widerspruch. Das kommt einerseits daher, dass es so wenig Filme gibt, die versuchen, unterhaltsam und trotzdem anspruchsvoll zu sein, den Zuschauer nicht für dumm verkaufen, die überraschend und deren Figuren nicht stereotyp sind. Das Zuschauerverhalten der letzten Jahre tendiert leider immer mehr zum Mainstream. Von anspruchsvollen Filmen haben sie sich etwas abgewendet und das finde ich unglaublich schade.
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Dani Levy mit Helge Schneider am Set von "Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler"
Ricore: Was halten Sie vom aktuellen deutschen Film im Allgemeinen?

Levy: Wenn ich mir anschaue, welche Filme über das Jahr verteilt entstanden sind, denke ich mir immer, dass wir eigentlich ganz gut aufgestellt sind. Es gibt viele Genre-Versuche, wirklich gut gemachtes Mainstream und anspruchsvolle Filme, die kommerziell viel besser laufen könnten, als sie es schließlich tun. Ich finde, der deutsche Film steht gut da und wir haben wirklich sehr gute Schauspieler und Techniker, auch was die digitale Animation, CGI und all diese Sachen betrifft. Zudem gibt es viele tolle Regisseure. Es gibt so viele Kollegen, auch neu entdeckte, die einfach tolle, kraftvolle Geschichtenerzähler sind. Ich finde nur, dass das Publikum zu wenig Vertrauen in uns hat und immer nur nach dem geht, was es schon kennt. Dabei gibt es so viel Neues und Spannendes zu entdecken. Da wünschte ich mir mehr Neugierde, die auch belohnt werden würde. Ich finde, der deutsche Film hat nichts mehr von diesen Altlasten, dass er altväterlich und pädagogisch sei, was man ihm oft auch zu Unrecht vorgeworfen hat. Ich bin ein großer Fan des deutschen Films der 1960er und 1970er Jahre, das waren starke Phasen.

Ricore: Alfi Seliger will in "Das Leben ist zu lang" einen Film über den Streit um die Mohammed-Karikaturen drehen. Wie sähe dieser Film aus, wenn Sie ihn machen würden?

Levy: Das habe ich mich auch gefragt [lacht]. Das kann ich nicht sagen, ich will ihn ja nicht drehen. Aber es wird ja ein bisschen angedeutet im Film. Es müsste natürlich ein Diskurs mit anti-muslimischen Kräften sein, die versuchen, sie irgendwie zu provozieren und anderen Leuten, die eine kulturelle Verständigung haben wollen. Die Frage der Pressefreiheit wäre natürlich eine ganz große Geschichte, die Frage, was darstellbar ist und was nicht. Wie weit sticht man ins Herz einer Kultur? Thematisch wäre es sehr interessant, es wäre bestimmt ein guter Film. Ich wünschte, Alfi Seliger würde ihn manchen.

Ricore: Wäre das nicht was für Sie?

Levy: Wer weiß. Man soll nie "nie" sagen.
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Liebevoll und unzynisch: Dani Levy und Henry Hübchen
Ricore: Denken Sie, dass Humor auch eine Waffe sein kann?

Levy: Der Karikaturenstreit hat ja auch gezeigt, dass Humor seine Grenzen hat. Hier in Mitteleuropa leben wir in einer Zivilisation, die einen sehr weiten und toleranten Begriff von Humor hat. Wir sind es gewöhnt, dass man über sehr viele Dinge Witze machen kann und dass fast schon ein dialektisches Verständnis von Tabuzonen zu unserer Kultur gehört. Wir haben leider eine relativ humorfreie Politik. Das spürt man auch in Deutschland, daher haben wir auch eine relative Politik-Müdigkeit. Aber wir haben auch einen sehr erwachsenen und schönen Humor, den ich eigentlich sehr liebe. Natürlich hat der Karikaturen-Streit gezeigt, dass Humor so scharf provozieren kann, dass man mit Waffen dagegen kämpft und Leute angegriffen werden. Das ist dann natürlich nochmal eine ganz andere Dimension von Reaktion auf Humor. Da müssen sich Leute schon sehr gekränkt gefühlt haben. Ich finde das sehr erschreckend. Ich glaube, dass das nicht nur die Karikaturen alleine waren, die das ausgelöst haben. Das war wahrscheinlich schon eine größere Kampagne von Provokationen, entweder von der Zeitung selber oder von Leuten, die das richtig funktionalisiert haben, um einen Konflikt heraufzubeschwören. Das müsste man dann genauer untersuchen. Aber grundsätzlich habe ich immer gesagt, auch als es um den Hitler-Film ging, dass Humor seine Grenzen hat. Ich finde Humor immer dann zulässig, wenn ich das Gefühl habe, ich gehe liebevoll mit dem um, worüber man dann lacht. Wenn es attackierend, beleidigend ist oder wirklich jemanden niedermachen will, akzeptiere ich das nur, wenn jemand zu Recht niedergemacht wird, wie zum Beispiel ein Diktator oder irgendeine Art von Autorität, die einen wirklich unterdrückt. Wenn es eine Art Abwehrmaßnahme ist, finde ich Humor auch extrem legitim. Ansonsten empfinde ich Humor als eine eher erlösende und befreiende Angelegenheit und nicht als etwas, das die Konflikte dann noch weiter zuschnürt. Um die Frage klar zu beantworten: ja Humor ist eine Waffe.

Ricore: Wie sähe Ihr Leben wohl aus, wenn Sie nicht Filmemacher geworden wären?

Levy: Keine Ahnung, wie mein Leben aussehen würde. Ich glaube, ich habe schon als Kind alles aus vollem Herzen gemacht. Ich wünschte mir, Zirkusartist zu werden, was ich als Kind dann auch zwei Jahre lang machen konnte. Vielleicht wäre ich ja Artist geworden. Eine Weile war ich auch Aushilfslehrer. Das hat mir auch unglaublich Spaß gemacht, weil ich Jugendliche immer als sehr inspirierend empfand, obwohl es auch anstrengend war. Im Großen und Ganzen war es aber einfach toll. Vielleicht wäre ich also Lehrer geworden. Oder Hirte, weil ich die Berge so liebe.

Ricore: Im Grunde sind Sie im Leben aber das geworden, was Sie werden wollten.

Levy: Ja, ich habe das Gefühl, ich habe mein Leben bislang gut genutzt. Ich bin glücklich und will auch die Kämpfe nicht missen, die ich habe. Einfach durchzuschlüpfen und alles so leicht zu haben, wär, glaube ich, nicht adäquat und gerecht für mein Wesen. Mein Wesen will wohl auch ein Stück weit kämpfen. Natürlich fluche ich manchmal darüber, weil es so anstrengend ist oder weil ich in den Seilen hänge und denke: "Nicht noch eine Runde!" Aber gleichzeitig spüre ich, dass Kunst oder Filme zu machen die eigene Kraft herausfordert, sowohl psychisch als auch kreativ. Etwas auf die Beine zu stellen, das man mit so viel Aufwand auf die Leinwand bringt, das ist schon anstrengend.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
Von  Carlos Corbelle/Filmreporter.de,  27. August 2010

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