Sony Pictures
Christiane Paul auf der Premiere von "Die Vampirschwestern"
Arbeitsamt kein Thema:
Interview: Christiane Paul verändert
Christiane Paul ist eine ausgebildete Chirurgin. Wenn jemand auf der Rolltreppe ausrutscht, ruft sie dennoch den Notarzt. Verübeln kann man es ihr nicht. Die heute 38-Jährige ist seit Jahren aus ihrem bürgerlichen Beruf raus. Stattdessen feiert sie 2012 ihr 20-jähriges Schauspieljubiläum. Pünktlich zum Weihnachtsfest 2012 kommt "Die Vampirschwestern" in die Kinos. Darin spielt sie Elvira, Frau eines Vampirs und Mutter zweier Halbvampir-Töchter. Warum Paul dem anhaltenden Vampir-Hype dennoch nichts abgewinnen kann, berichtet sie im Interview mit Filmreporter.de.
erschienen am 30. Dezember 2012
Sony Pictures
Die Vampirschwestern
Ricore Text: Vampire sind zurzeit in aller Munde. Sind Sie ein Vampir-Fan?

Christiane Paul: Nein, eigentlich nicht. Ich habe "Twilight" erst ganz spät gesehen, durch Zufall im Fernsehen. Letztendlich ist es ja nur eine "Romeo und Julia"-Geschichte. Die Faszination kann ich schwer nachvollziehen. Ich glaube, der Reiz entsteht dadurch, dass Vampire unsterblich sind und über besondere Kräfte verfügen. Außerdem spielt auch der Sex eine ganz starke Rolle, zumindest in den Erwachsenenfilmen. Die Nähe von Tod und Eros hatte in der Menschheitsgeschichte schon immer eine große Faszination. Dieses Thema haben wir in "Die Vampirschwestern" weniger. Trotzdem spielen auch die dunkleren Momente in Transsilvanien eine Rolle, die man hier in Deutschland nicht wiederfindet.

Ricore: Stecken denn Ihre Kinder im Vampir-Hype?

Paul: Nein, dafür sind die noch zu jung. Meine Tochter ist zehn Jahre alt und mehr im "Vampirschwestern"-Alter. Ich kannte die Bücher vorher nicht. Meine Tochter hat gerade die ersten beiden Bände gelesen. Danach hat sie den Film gesehen und war total begeistert. Natürlich hat es eine große Faszination für Kinder, wenn andere Kinder etwas Außergewöhnliches können.

Ricore: Waren ihre Kinder der Grund, diesen Film zu machen?

Paul: Nicht unbedingt, das ist eigentlich nie ein Kriterium. Aber es ist natürlich schön, wenn die eigenen Kinder mal sehen, was die Mama überhaupt macht. Ich denke, wir haben hier eine typische Geschichte für Mädchen im Alter zwischen neun und zwölf Jahren.

Ricore: Was hat sie an dem Projekt gereizt?

Paul: Ausschlaggebend waren der Stoff und die Tatsache, dass Stipe Erceg mit dabei ist. Ich hatte noch nie mit ihm gedreht und wollte unbedingt mal mit ihm arbeiten. Außerdem kannte ich Regisseur Wolfgang Groos, mit dem ich schon mal zusammengearbeitet habe. Deswegen war das ganze Projekt reizvoll für mich.

Ricore: Hätten Sie gerne einen Vampir gespielt?

Paul: Nein, ich fand meine Rolle klasse. Darin der habe ich mich austoben können Meine Rolle ist ja auch nicht ganz normal, sondern sehr exzentrisch. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Ich glaube, die Fliegerei und die ganze Action waren für die anderen drei ziemlich anstrengend.

Ricore: Inwiefern finden Sie sich in Ihrer Rolle wieder? Sind Sie auch so unkonventionell?

Paul: Das glaube ich nicht (lacht). Es ist immer etwas von einem mit dabei, wenn man eine Rolle spielt. Aber Elvira ist schon extrem. Sie designt dreidimensionale Klobrillen und trägt bunte Hippiekleider. Das war schön auszuprobieren, aber privat bin ich nicht so exzentrisch.
Ralf Hake/Ricore Text
Christiane Paul auf dem 39. Deutschen Filmball 2012
Ricore: Haben Sie sich mit der außergewöhnlichen Frisur wohlgefühlt?

Paul: Die Frisur war eine Perücke. In letzter Zeit habe ich sehr viel mit Perücken gearbeitet. Das Lustige daran ist, dass man überhaupt nicht wiedererkannt wird. Da läuft schon mal der Regisseur an einem vorbei...

Ricore: Was tragen Sie privat, um nicht erkannt zu werden?

Paul: Ich laufe ganz normal rum.

Ricore: Daniel Craig meinte, er kann in England nicht mehr vor die Tür gehen.

Paul: Ja gut, das verstehe ich. Aber ich habe ja auch nicht in "Skyfall" mitgespielt.

Ricore: Man munkelt, Sie würden demnächst Ihre Arbeit als Ärztin wieder aufnehmen. Ist an dem Gerücht was Wahres dran?

Paul: Nein. Wer sagt das denn!? Lustig, was Leute sich erzählen, wenn sie Langeweile haben.

Ricore: Warum haben Sie sich damals gegen die Medizin entschieden?

Paul: Weil ich die Schauspielerei machen wollte, das hat sich langsam entwickelt.

Ricore: Hat Ihnen die Arbeit als Ärztin Spaß gemacht?

Paul: Ja, natürlich. Aber es ist auch schon verdammt lange her. Ich bin seit fast zehn Jahren aus dem Beruf raus.

Ricore: Aber als Ärztin ist man aus dem Beruf doch nie ganz raus. Was machen Sie, wenn zum Beispiel jemand auf der Rolltreppe hinfällt und sich schwer verletzt?

Paul: Dann rufe ich den Notarzt!

Ricore: Als Ärztin haben Sie doch bestimmt einen bürokratischen Eid abgelegt. Gilt dieser ein Leben lang?

Paul: Daran kann ich mich nicht erinnern. Ich habe eine Urkunde gekriegt und das war's.
Ralf Hake/Ricore Text
Christiane Paul auf der Premiere von "Der große Kater"
Ricore: Haben Sie das Gefühl, dass sich die Rollen im Laufe der Jahre für Sie verändert haben?

Paul: Ja, natürlich verändern sich die Rollen. Aber das ist auch ein großes Glück. Ich bin ja auch älter geworden und arbeite schließlich seit 20 Jahren in dem Beruf. In den letzten Jahren hatte ich die Möglichkeit, ganz verschiedene Dinge zu machen. Und wenn man Glück hat, schafft man diesen Sprung von "Workaholic" im Jahr 1996 zur erwachsenen Frau. Wenn ich zurückblicke, bin ich glücklich über meine Rollen. In jeder Altersgruppe gibt es vielleicht zehn Schauspielerinnen und Schauspieler, die das Feld bestimmen. Frauen wie Senta Berger haben uns jungen Leuten damals den Weg geebnet. Letztendlich darf man sich aber nichts vormachen. Für Frauen ist das Geschäft immer noch schwierig.

Ricore: Macht Ihnen das manchmal Angst?

Paul: Ja, klar. Es wäre gelogen, zu behaupten, dass es einem keine Angst macht, in dem Beruf älter zu werden, der so stark von Äußerlichkeiten und subjektiven Bewertungskriterien abhängt.

Ricore: Hat sich auch die Qualität der Rollen-Angebote verändert?

Paul: Nein, eigentlich nicht. Es gibt Drehbücher, die einem gefallen oder nicht. Das Drehbuch von "Die Vampirschwestern" musste ich gar nicht erst lesen. Da wusste ich sofort, das mache ich auf jeden Fall. Von der Konstellation war mir gleich klar, das Projekt kann nicht verkehrt sein. Jeder Film hat seine eigene Geschichte. Es gibt Filme, die brauchen mehr Anläufe beim Casting oder man muss noch mal das Buch lesen und über das Projekt mit jemandem reden. Das ist ganz unterschiedlich.

Ricore: Mussten Sie schon mal zum Arbeitsamt gehen und sich arbeitslos melden, wenn es keine Angebote gab??

Paul: Es gab schon mal eine Zeit, in der ich mich beim Arbeitsamt gemeldet habe. Aber das ist schon ewig her. Ich habe aber eine private Rentenversicherung, die Ärzteversorgung. Abgesehen davon war es bisher auch immer so, dass ich kaum eine Pause hatte. Wenn ich nicht gerade gedreht habe, habe ich zum Beispiel Lesungen gemacht. Aber ich denke, das ist ein grundsätzliches Problem, dass alle Künstler betrifft. Jeder muss für sich individuell klären, wie seine Altersversorgung geregelt ist. Bei mir ist das eben eine Ausnahme, weil ich eigentlich Ärztin bin.

Ricore: Sie standen zweimal auf der Theaterbühne. Können Sie sich weitere Theaterprojekte vorstellen?

Paul: Damals habe ich mir das sehr gewünscht. Ich habe sogar einmal mit Ulrich Mühe zusammengearbeitet, er war mein Regisseur bei einer Heiner Müller-Inszenierung in Berlin. Das Anton Tschechow-Stück in Düsseldorf haben wir sogar über zwei Jahre lang gespielt. Ich hätte danach noch weiter am Düsseldorfer Schauspielhaus bleiben können, allerdings hat das meine private Situation zu der Zeit nicht zugelassen. Theater ist sehr zeitaufwendig. Man muss für eine gewisse Zeit in der Stadt sein und proben. Das hätte ich mir als Mutter von zwei Kindern nicht leisten können. Vielleicht ergibt sich das in Berlin noch mal, das würde mich sehr freuen. Jedoch haben die Theater ja auch ihre eigenen Leute und scheren ungerne aus. Aber die Zeit im Theater war eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen will. Ich habe das sehr genossen.

Ricore: Wie war die Erfahrung, unter der Regie von Ulrich Mühe zu arbeiten?

Paul: Ganz toll. Es war großartig, mit ihm zu arbeiten. Wir hatten in der Presse sehr schlechte Kritiken, aber wir hatten jeden Abend ein volles Haus und haben Sekt getrunken (lacht). Ich habe Ulrich Mühe wirklich geliebt. Wir hatten viel Spaß und haben so viel gelacht. Für mich war es eine Ehre, dass er mich gefragt hat.
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Blutsauger Stipe Erceg mit Ehefrau Christiane Paul in "Die Vampirschwestern"
Ricore: Nehmen Sie sich Kritiken zu Herzen?

Paul: Ja.

Ricore: Auch persönlich?

Paul: Die Kritiken sind ja nun mal meistens persönlich... Mit der Zeit wird man zwar sehr viel gelassener. Aber natürlich tun mir die schlechten Kritiken weh.

Ricore: Haben Sie Interesse daran, auch mal hinter der Kamera zu stehen? Zum Beispiel Regie zu führen oder ein Drehbuch zu schreiben?

Paul: Das kann ich nicht. Ich glaube auch, ich bin mit meiner Schauspielerei noch nicht am Ende. Um das zusätzlich zu machen, fehlen mir die notwendigen Kraftreserven. Ich müsste die Schauspielerei zumindest für eine gewisse Zeit ablegen können. Und dazu bin ich noch nicht bereit. Dafür reizt und fordert mich die Schauspielerei zu sehr. Ich denke auch, Regisseur zu sein, ist ein ziemlich unterschätzter Beruf. Ich habe davor zu viel Angst.

Ricore: Sie haben zwischenzeitlich mal in Hamburg gewohnt, leben jetzt aber wieder in Berlin. War das Heimweh zu groß?

Paul: Ja. Besonders als gebürtige Berlinerin ist man auf ewig mit der Stadt verwurzelt. Es ist schwer, eine Alternative zu finden. Natürlich haben auch Städte wie München oder Hamburg ihre Vorzüge, aber Berlin ist einfach ein Meetingpoint und wird's aufgrund der sozialen Strukturen auch immer bleiben. Man kann nur hoffen, dass der Ausverkauf der Wohnungen nicht weitergeht. Da muss Berlin eingreifen. Es ist schlimm, dass die Politik nicht einen Riegel vorschiebt. Genau das ist es doch, was Berlin ausmacht, die Mischung der sozialen Schichten und diese wird immer weniger.

Ricore: Das Thema beschäftigt Sie sehr, oder?

Paul: Ja, absolut. Ich lebe in Schöneberg und auch da gibt es soziale Gefälle, die mich beunruhigen. Die Mieten steigen ins Unermessliche, in Berlin in den letzten Jahren um 100 Prozent. Wer soll denn das noch bezahlen bei der Einkommens- und Arbeitslosensituation in Berlin?! Die Stadt muss sehen, dass sie das wieder ausgleicht.

Ricore: Wie feiern Sie Weihnachten?

Paul: Mit Wiener Würstchen und Kartoffelsalat.

Ricore: Haben Sie alle Geschenke schon zusammen?

Paul: Ja, fast. Eins fehlt noch.

Ricore: Wie verbringen Sie Silvester?

Paul: Ich fahre mit meinen Kindern zu einem Freund.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
erschienen am 30. Dezember 2012
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2021