Daniel Brühl in: Salvador
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Daniel Brühl in: Salvador
Ich mag das Glamouröse
Interview: Daniel Brühl in Cannes
Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Deutschlands Vorzeigepärchen Daniel Brühl und Jessica Schwarz haben sich nach einer fünfjährigen Beziehung getrennt. Wir stöberten den 27-Jährigen bei den Filmfestspielen in Cannes auf und zogen mit ihm Bestandsaufnahme und sprachen über Salvador - seinen ersten spanisch gesprochenen Film.
Von  Johannes Bonke/Filmreporter.de,  25. Mai 2006
Daniel Brühl in: Salvador
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Ricore: Daniel, während Ihres Festivalaufenthalts hat Ihre Agentur die Trennung von Ihrer langjährigen Freundin Jessica Schwarz angekündigt. Daniel

Brühl: Wieso habe ich nur gewusst, dass Sie dieses Thema anschneiden... (lacht)

Ricore: Weil Sie Deutschlands Paradeschauspielpaar waren. Wieso kam es zur Trennung?

Brühl: Es fiel uns durch die Schauspielerei und das viele Reisen nicht einfach, eine funktionierende Beziehung zu führen. Deshalb haben wir uns vor einigen Monaten in Freundschaft getrennt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Ricore: In Cannes können Sie sich ablenken, wurden sogar offiziell als Mitglied der Kurzfilmjury geladen... Daniel

Brühl: Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, als mich der künstlerische Leiter des Festivals, Thierry Frémaux, anrief. In solch illustrem Kreis zu sitzen und über Filme reden zu dürfen, ist natürlich großartig. Ich bin gespannt, wenn ich am nächsten Donnerstag mit meiner Arbeit beginne. Bis dahin bin ich in spanischer Mission unterwegs und spreche über meinen neuen Film "".

Ricore: Fühlen Sie sich wohl im turbulenten Treiben auf der Croisette?

Brühl: Ich mag es, dass Cannes sich als großes Fest inszeniert. Ich bin dieses Jahr zum dritten Mal hier und wäre wohl sehr enttäuscht, wenn ich irgendwann nicht mehr kommen dürfte. Im Mai nach Cannes - daran kann man sich sehr schnell gewöhnen. Es ist natürlich auch anstrengend, aufregend. Mein Hotelzimmer hat Fenster aus Panzerglas - und sobald man sie einen Spalt öffnen, hört man das bunte Treiben. Selbst wenn man entspannt startet, wird man von dem Zirkus angesteckt. Aber um ehrlich zu sein: Ich mag das Glamouröse.

Ricore: Können Sie sich frei bewegen, oder werden Sie inzwischen auch hier angesprochen?

Brühl: Hier ist ja nun wirklich jeder Star vertreten, deshalb kann ich mich hier relativ ungestört bewegen. Hin und wieder werde ich erkannt, aber das ist ja auch ganz gut fürs Selbstbewusstsein.
Daniel Brühl in: Salvador
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Ricore: Um was geht es in "Salvador"?

Brühl: Um den letzten jungen Anarchisten, der 1974 von Franco mit der Garotte umgebracht wurde. Er soll angeblich einen Polizisten getötet haben, doch das wurde nie bewiesen. Trotzdem machte man ihn zum Sündenbock für einen ETA-Terroristen, der Francos Nachfolger in die Luft gesprengt hatte.

Ricore: Sie haben zum ersten Mal auf Spanisch gedreht. Wie gut sprechen Sie als gebürtiger Spanier Ihre Muttersprache?

Brühl: Eigentlich fließend. Aber obwohl ich zuhause bei meiner Familie immer spanisch spreche, ist ein Dreh in dieser Sprache noch mal was ganz anderes. Aber es ist schön, so zu seinen Wurzeln zurückzukehren. Ich fühle eine tiefe Verbundenheit zu meiner Heimat.

Ricore: Schlummert in Ihnen auch der anarchistische Drang, die Welt verbessern zu wollen?

Brühl: Es wäre gelogen, wenn ich mich als total politischen Menschen bezeichnen würde. Ich interessiere mich zwar sehr für das Thema, aber ich bin ja auch Teil der etwas faulen Generation, die sehr satt ist. Mir geht's ja gut, ich führe ein schönes und komfortables Leben. Da ist es schwierig zu rebellieren. Ich bin mir zwar über Missstände bewusst, würde auch gerne vieles ändern, aber es wäre vermessen, mich auch nur ansatzweise mit Salvador zu vergleichen, der mit Diktatur und Repression fertig werden musste.

Ricore: Sie haben sich mit dem Thema Rebellentum in "Die fetten Jahre sind vorbei" beschäftigt. Nun wird der Film für den amerikanischen Markt neu verfilmt. Was denken Sie über das Remake?

Brühl: Ich bin gespannt was kommt. Mir würde nur interessieren, wer mich nun ersetzen wird. Ich hoffe, dass der Typ cool genug ist. (lacht)

Ricore: Wenn Sie die Wahl hätten...

Brühl: ...fände ich Jake Gyllenhaal nicht schlecht.

Ricore: Und wann kommt Ihr erster Einsatz in Hollywood?

Brühl: Es ist schwierig, die richtige Entscheidung zu treffen. Es gibt zwar Verhandlungen, aber momentan kann ich noch nichts verkünden. Eine Wahl zu treffen ist sehr schwierig, weil verschiedene Agenturen involviert sind. Aber ich bin schon froh, dass ich das Privileg habe, in verschiedenen Ländern arbeiten zu dürfen. Für mich steht nur eines fest: Ich werde weiterhin in Deutschland bleiben.
Von  Johannes Bonke/Filmreporter.de,  25. Mai 2006
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