Feature

Mutiger Marionetten-Spaß

Es ist ein mutiger Schritt, den Matt Stone und Trey Parker da gegangen sind: Sie haben mit "Team America" einen kompletten Spielfilm mit Marionetten gedreht. Das Ergebnis ist erfrischend frech, Amerika-kritisch und in bester "South Park"-Manier natürlich politisch unkorrekt. Da macht es nichts, dass der Humor nicht jedermanns Sache ist.
Von  Larissa Vassilian/Filmreporter.de, 27. Dezember 2004

Sind die Terroristen schon wieder entwischt?...Das Marionettenteam auf verlorenem Posten

Sind die Terroristen schon wieder entwischt?...Das Marionettenteam auf verlorenem Posten

Eigentlich wollten die beiden schrägen Vögel Matt Stone und Trey Parker ein ganz anderes Projekt anpacken: Sie hatten sich überlegt, den Eiszeit-Knüller "The Day After Tomorrow" mit Marionetten nachzuspielen. Doch die Anwälte der Studios legten ihnen zu viele Steine in den Weg. Also ließen sich Stone und Parker von der alten Fernsehserie der "Thunderbirds" inspirieren und kreierten das "Team America". Mit Top Gun-Fliegergehabe und patriotischer Arroganz jagen die vier Spezialagenten den wichtigsten Terroristen der Welt hinterher und hinterlassen auf ihren Feldzügen nur Schutt und Asche.

Die arabisch aussehenden Terroristen entkommen meist, dran glauben müssen Wahrzeichen wie der Eiffelturm oder die Sphinx. Man muss eben Opfer bringen auf dem Weg zum Weltfrieden. Als weiteres Mitglied wird dem Retterteam schließlich noch ein Broadway-Schauspieler zugeschanzt, der sich bei den dunklen Mächten als Spion einschleust. Es beginnt ein wahres Feuerwerk an Gags und rasanten Jagden.

Zwei schräge Vögel machen sich ein Spiel aus der Verhunzung der USA

Zwei schräge Vögel machen sich ein Spiel aus der Verhunzung der USA

Allzu abstrakt wollten die kreativen Köpfe dieses Unternehmens offensichtlich auch nicht bleiben: Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Il verfüttert Feinde an Haie. Matt Damon taucht als retardierte und sprachgestörte Dumpfbacke auf. Michael Moore besudelt sich mit senfspritzenden Hot Dogs und Alec Baldwin ist der Kopf der verschlagenen Schauspielerbande, die den Globus beherrscht durch ihr bedingungsloses Wohltätigkeits-Gedusel.

Kein gutes Haar lassen Parker und Stone an Amerika und seiner anmaßenden Weltcopattitüde. Ein besonderer Leckerbissen sind wie bei "South Park" die Lieder, die fortwährend im Hintergrund dudeln. Wenn man genau hinhört, dann schmalzt die Countrystimme etwa eine Hasstirade auf Schauspiel-Niete Ben Affleck und den dazugehörigen Schmachtfetzen "Pearl Harbor". Die Marionetten sind nicht aus Holz sondern aus Plastik gefertigt. Sie besitzen eine ausgefeilte motorgesteuerte Mimik. Einige Palmenblätter sind aus Dollarscheinen, die Straßen in Paris hingegen mit Croissants gepflastert. Die Filmemacher hatten hier offenbar wirklich Spaß an ihrer Arbeit. "Team America" spielte in den USA seine Produktionskosten von rund 30 Millionen Dollar bereits nach sechs Wochen ein. Solange derartig bös-kritische Filme in Amerika entstehen und gesehen werden, muss man sich wohl noch keine ernsthaften Sorgen um das Land machen.

Zum Thema

Filmplakat zu Team America

Team America

"America, Fuck Yeah!" ist nicht die Parole eines Amerikafeindlichen Terroristen, nein es ist vielmehr der Titelsong eines Puppenfilms der "South Park"-Erfinder Trey Parker und Matt Stone.... mehr

Porträt zu Matt Stone

Matt Stone

Darsteller, Regisseur, Drehbuch, Produzent, Musik
Geboren in Houston, Texas, USA. weiter

Porträt zu Trey Parker

Trey Parker

Darsteller, Regisseur, Drehbuch, Produzent, Musik
weiter
Naive Liebe gegen intellektuelle Herrschaft: Saoirse Ronan und Max Irons in "Seelen"
Weitere Kritiken: Andrew Niccol scheitert mit "Seelen"
Was kann man von der Adaption eines Romans einer Autorin erwarten, die vor einigen Jahren weiter
Retten Julie Delpy und Ethan Hawke in "Before Midnight" Ihre Liebe?
Richard Linklaters Meditation über die Liebe
Mit "Before Midnight" führt Richard Linklater eine der schönsten Liebesgeschichten des Kinos weiter. Was ist aus Ethan Hawke und Julie weiter
To The Wonder
Metaphysiker Terrence Malick
Mit "To the Wonder" bringt Perfektionist Terrence Malick zwei Jahre nach dem preisgekrönten Drama "The Tree of Life" sein nächstes Werk in weiter
© 2013 Filmreporter.de