
Schmid zeichnet poetisch-düsteres Bild
Betrogen und verkauft
Man könnte diesen Film als einen Beitrag zur EU-Osterweiterung bezeichnen. Sonderlich optimistisch fällt er allerdings nicht aus. Wenn in
Hans-Christian Schmids "
Lichter" Ukrainer auf Polen und Deutsche stoßen, ist es bei diesen Begegnungen immer nur ein kurzer Schritt von der Hilfsbereitschaft zum Betrug.
Julia Krynke an der Seite von August Diehl in: Lichter
Bis auf wenige Ausnahmen erscheint das Leben an der Oder als trostloses Warten auf bessere Zeiten. Das wirkt sich auch auf das Seelenleben der Bewohner aus. Und auf diejenigen, die es - freiwillig oder gezwungenermaßen - in die beiden Grenzstädte Frankfurt und Slubice verschlägt.<P></P>
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Lichter" erzählt von der Suche nach einem besseren Leben: Sei es in Form der Flucht in den Westen, wie sie eine Gruppe ukrainischer Flüchtlinge versucht, die aber von ihren Schleppern betrogen wird und in Polen statt in Deutschland landet. Jenseits der Oder und weit weg vom Lichtermeer der Großstadt Berlin, das ihnen versprochen worden war. Oder in Form von Hilfsbereitschaft, wie sie die Dolmetscherin Sonja, die für den Bundesgrenzschutz arbeitet, einem jener Flüchtlinge, Kolja, zukommen lassen will.
Zbigniew Zamachowski in:Lichter
Als Kolja von Grenzbeamten aus der Oder gezogen und zurück nach Polen verfrachtet wird, sucht sie ihn kurzentschlossen auf, um ihn im Kofferraum ihres Autos zurück nach Deutschland zu schmuggeln - an das Ziel seiner Träume, Berlins Potsdamer Platz. Aber für wahre Dankbarkeit ist in diesen trostlosen Zeiten kein Platz, muss auch Sonja bald merken. <P></P>
Diese feine, zerbrechliche Linie zwischen Vertrauen und Betrug ist es, die - vom gemeinsamen Ort, der deutsch-polnischen Grenze abgesehen - die verschiedenen Episoden verbindet. Wer ein virtuos zusammengesponnenes Netz von Beziehungen zwischen dem guten Dutzend Figuren erwartet, von denen "Lichter" erzählt, sieht sich getäuscht. Die meisten der Erzählstränge verlaufen parallel zueinander und überschneiden sich nicht. Dies ist nur konsequent, weil Schmid eben kein artifizielles Bild zeichnen, sondern nahe an seinen Hauptfiguren deren Suche und Schicksal verfolgen will. Künstliche, zufällige Überschneidungen der Lebenslinien würden diesen Realismus nur stören und untergraben.