RETRO Feature

Rudolf Platte in "Mädchen mit schwachem Gedächtnis"
Vier Hochzeiten und ein Darsteller

Wechselhafter Rudolf Platte

Kino, Theater oder doch lieber ein Engagement beim Fernsehen? Diese Frage stellt sich Rudolf Platte während seiner über 55 Jahre andauernden Karriere wohl häufiger. Wirklich festlegen kann oder will er sich nie. Auch wenn es um die Frauen geht, hat der deutsche Schauspieler so seine Entscheidungsprobleme. Erst im vierten Anlauf überzeugt ihn Schauspielkollegin Georgia Lind, so dass er mit ihr gleich zwei Mal zum Altar schreitet.
Von  Isabel Pluta/Filmreporter.de, 18. März 2011

Rudolf Platte mit Loni Heuser in "Mädchen mit schwachem Gedächtnis"

Rudolf Platte mit Loni Heuser in "Mädchen mit schwachem Gedächtnis"

Rebellion!
Platte wird am 12. Februar 1904 unter dem bürgerlichen Namen Rudolf Antonius Heinrich Platte in Hörde geboren. Nach drei Jahren zieht er mit Mutter Karoline und Vater Josef nach Hildesheim. Die Leidenschaft für das Schauspiel kommt früh zum Vorschein. Als Zwölfjähriger tritt Platte am Schultheater auf. Obwohl er ein Gymnasium besucht und das Abitur machen könnte, bricht er sehr zum Leidwesen seiner Eltern sechzehnjährig die Schule ab. Der Vater, ist wenig begeistert von der Bühnenaffinität seines Sohnes. Der Kaufmann kann sich nicht damit abfinden, dass dieser eine künstlerische Richtung einschlagen will.

Die Entscheidung, eine Schauspielschule zu besuchen, fällt Platte daher ohne das Einverständnis seiner Eltern. Fünf Jahre nach diesem Schritt bekommt der inzwischen 21-Jährige 1925 sein erstes Engagement an einer Bühne. Seine Karriere beginnt mit William Shakespeare an der Düsseldorfer Freilichtbühne. In "Der Kaufmann von Venedig" wird Platte als Shylocks besetzt. Kein schlechter Start!

Rudolf Platte, Franz Muxeneder in "Tolle Nacht"

Rudolf Platte, Franz Muxeneder in "Tolle Nacht"

Berliner 'Katakombe'
Mit der Hauptrolle werden weitere Theaterintendanten auf den jungen Künstler aufmerksam. Platte wird von mehreren Bühnenhäusern engagiert. Unter anderem führt ihn sein Weg nach Bad Harzburg, Hagen, und Wuppertal, bis er sich 1927 schließlich in Berlin niederlässt.

Obwohl seine Rollen eher aus dem dramatischen Fach sind, wird man auf Plattes witzige Seite aufmerksam. Werner Finck überzeugt den 23-Jährigen, sich auf sein eigentliches Talent zu konzentrieren: das Komödiantische. Mit Hans Deppe und Robert A. Stemmle leiten die beiden ab 1929 das Kabarett Katakombe und treten mit Sketchen über Politik und Literatur auf. Im gleichen Jahr erhält Platte seine erste Hauptrolle im Kurzfilm "Mein Traum wär ein Mädel" - dem ersten deutschen Tonfilm. Danach folgt ein Engagement nach dem anderen, zunächst überwiegend als Nebendarsteller.

Für die Berliner Katakombe läuft es hingegen weniger gut. Ab 1933 wird das Programm unpolitisch. Unter den Gästen befinden sich im Jahr der Machtübernahme der Nationalsozialisten regelmäßig Gestapospitzel im Publikum. Trotz der Programmumstellung wird das Kabarett 1935 auf Anweisungen von Joseph Goebbels geschlossen. Die Begründung lautet, die Witze gingen auf Kosten des neuen Regimes.

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