RETRO News

Broderick Crawford in "Il Bidone"
Dramatische Geschichte über Betrug

Erlebnisse unter Männern

Broderick Crawford spielt im neuen Film von Federico Fellini "Il Bidone" eine zwielichtige Rolle. Er ist Augusto, ein Gentleman-Gangster, der sich nicht gerne die Finger schmutzig macht. An seiner Seite steht der zarte, behände Richard Basehart, der liebevoll-spöttisch Picasso genannt wird. Fellinis frühere Filme wie "Das Lied der Straße - La Strada" (1954) oder "Die Nächte der Cabiria" (1957) waren meist durch eine Frauengestalt wesentlich mitbestimmt. Nicht so in "Il Bidone", dessen Handlung sich auf Männern konzentriert. Wie im Artikel in der Film und Frau im August 1957 zu lesen ist, handelt das gesellschaftskritische Werk vom Betrug - sowohl an sich selbst als auch an Anderen.
Von  Barbara Mayr/Filmreporter.de, 23. Oktober 2012

Broderick Crawford in die "Il Bidone"

Broderick Crawford in die "Il Bidone"

Niemand wird weinen
Federico Fellinis Drama besteht aus zwei unterschiedlichen Welten. Eine böse, verkorkste und vom Menschen missgestaltete Welt steht einer zweiten gegenüber, die der göttlichen Schöpfung noch ähnlich sieht. In Fellinis Werk berühren sich diese beiden Seiten. "Il Bidone" zeigt Geiz und Habgier in den Gesichtern alter Bäuerinnen, Kummer in den dunklen Augenhöhlen der Mutter eines kranken Kindes und wirft ein Blitzlicht auf die römische Gesellschaft.

In dieser Welt ist es fast vorprogrammiert, dass Bandenchef Augusto (Broderick Crawford) untergeht. Allerdings wird sein Fall unsentimental wie ein Felssturz dargestellt. Niemand im Publikum wird ihn beweinen. Der Film hat die Kraft der einfachen, ausweglosen Wahrheit und die überzeugt.

Broderick Crawford in "Il Bidone"

Broderick Crawford in "Il Bidone"

Fellini begeistert Publikum
Die Geschichte in "Il Bidone" dreht sich um Betrüger, die als geistliche Würdenträger einfache Leute anschwindeln. Drehschluss war 40 Tage vor dem Start des Dramas auf den Festspielen von Venedig des Jahres 1955, wo es im Wettbewerb um den Goldenen Löwen konkurrierte. Aus Zeitmangel schnitt man mit zwei Cuttern. Der Film wurde von der Jury aber nicht gemocht. Federico Fellini schwörte enttäuscht, keinen Film zum Festival in seinem Heimatland zu schicken. Erst nach zwei Jahren hatte er wieder die nötigen finanziellen Mittel für "Die Nächte der Cabiria".

Nichts desto trotz zählt Fellini zu den wichtigsten Filmemachern Italiens. Er wurde zwölf Mal für den Oscar nominiert, erhielt zahlreiche Auszeichnungen auf Festivals und 1993 den Ehrenpreis der amerikanischen Academy Award. Der italienische Drehbuchautor, Regisseur und Darsteller stirbt ein halbes Jahr später an einem Herzleiden.
Barbara Mayr/Filmreporter.de - 23. Oktober 2012
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