RETRO News

Willy Birgel in "Barcarole" (1934)
Gustav Fröhlichs riskante Wette

Echte Kerle im Duell

Ort der Handlung ist ein prächtiger venezianischer Palazzo. Das Gebäude aus der Zeit der Hochrenaissance hat zweifellos schon bessere Zeiten gesehen: In den verräucherten Zimmern lungern elegante, doch stark alkoholisierte Herren herum. Es ist der Auftakt zu einer Abendgesellschaft, die ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Bald wird die von Leidenschaft geprägte Rivalität zweier von Gustav Fröhlich und Willy Birgel dargestellter Männer die Szene beherrschen. Drahtzieher hinter den Kulissen ist Filmregisseur Gerhard Lamprecht, der seine Darsteller für den UFA-Tonfilm "Barcarole" in Szene setzt. Genau genommen entstehen hier zwei Filme zur gleichen Zeit. Denn Lamprecht dreht auch eine französische Sprachfassung mit eigener Besetzung. Das Magazin Filmwelt berichtet im Dezember 1934 von den Dreharbeiten.
Von  Michael Wenk, 17. Oktober 2012

Hilde Hildebrand, Gustav Fröhlich und Regisseur Gerhard Lamprecht

Hilde Hildebrand, Gustav Fröhlich und Regisseur Gerhard Lamprecht

Sittenbild der Oberklasse Venedigs
Venedig im Jahr 1911. Graf Eugen Colloredo (Gustav Fröhlich) ist ein Liebling der Gesellschaft. Er verkehrt in den vornehmsten Clubs der Stadt und gibt sich seinen drei größten Leidenschaften hin: Der Eroberung von Frauen, dem Alkohol und dem Glücksspiel. Doch das süße Nichtstun ist ihm auf Dauer gar zu eintönig. Abwechslung ist willkommen. Seine Bekanntschaft mit dem reichen Mexikaner Alfredo Zubaran (Willy Birgel) und dessen reizvoller Gattin Giacinta (Lída Baarová) bringt Colloredo auf eine verhängnisvolle Idee.

Vom Alkohol enthemmt, lässt er sich auf eine unmoralische Wette mit dem vor Eifersucht rasenden Zubaran ein: Sollte es Colloredo gelingen, Giacinta noch in derselben Nacht zu verführen, steht ihm bei einem Duell mit Zubaran der erste Schuss zu. Tatsächlich gelingt es Colloredo, Giacinta für sich einzunehmen. Mehr noch: Er verliebt sich aufrichtig in die schöne Mexikanerin. Doch beide erkennen, dass ihre Annäherung ein Spiel mit dem Feuer ist. Um Giacintas Ehre zu retten, lässt Colloredo von seinen Verführungsabsichten ab und gesteht Zubaran seine Niederlage. Dadurch verwirkt Colloredo sein Recht auf den ersten Schuss beim kurz darauf stattfindenden Duell.

Gustav Fröhlich (1934)

Gustav Fröhlich (1934)

Prototyp des Filmliebhabers
Im Rückblick ist der Schauspieler Gustav Fröhlich vor allem durch seine Mitwirkung in Fritz Langs Stummfilmklassiker "Metropolis" ein Begriff. Während seiner Karriere dreht der gebürtige Hannoveraner über 100 Kinoproduktionen. 1930/31 wird Fröhlich von der Produktionsfirma Warner Brothers nach Hollywood geholt, um dort bei den deutschen Sprachversionen amerikanischer Filmen mitzuwirken, denn synchronisieren konnte man zu dieser Zeit noch nicht. Im deutschen Kino der 1930er und 1940er Jahre verkörpert er meist den sympathisch-rechtschaffenen Liebhaber. Neben Hans Albers, Willy Fritsch, Heinz Rühmann und Willy Birgel zählt Fröhlich zu den populärsten männlichen Leinwandstars seiner Zeit.

Für Aufsehen sorgt seine Liaison mit der tschechischen Schauspielerin Lída Baarová, die zugleich eine Beziehung mit NS-Propagandaminister Joseph Goebbels unterhält. Nach 1945 kann Gustav Fröhlich seine Tätigkeit beim Film nahtlos fortsetzen. Bis Mitte der 1950er Jahre ist er in vielen Hauptrollen zu sehen und tritt auch mit Regiearbeiten hervor. Seine bekannteste Nachkriegsarbeit ist der 1950 unter der Regie von Willi Forst entstandene Skandalfilm "Die Sünderin". Fröhlich spielt darin einen schwerkranken Kunstmaler, dem eine von Hildegard Knef dargestellte Prostituierte Sterbehilfe leistet.
Michael Wenk - 17. Oktober 2012
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Gustav Fröhlich

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