© Film Revue
Helmut Käutner beleuchtet Kollektivschuld
Des Teufels General
Jahrelang bemühte man sich vielerorts um die Rechte an
Carl Zuckmayers Theaterstück "
Des Teufels General". Die vielen wiederaufgenommenen Soldaten-Filme wollen ein möglichst objektives Bild vergangener Tatsachen vermitteln. Hamburgs Real-Film-Chef
Walter Koppel muss sich keine Sorgen machen, dass sein zweiter Uniform-Film nicht ankommt. Nach dem Misserfolg von "
Die letzte Nacht" (1949), hat das deutsche Publikum an den Kinokassen mittlerweile dokumentiert, dass es auf Uniformen förmlich fliegt.
© Film Revue
Curd Jürgens und Erika Balqué
Treue Pflichterfüllung
Helmut Käutner wird mit der Regie des Kriegsdramas betraut. Man darf also einen spannungsreichen Film erwarten, der die menschlichen Probleme in den Vordergrund stellt und die Uniform in die Kulissen verbannt, berichtet die Zeitschrift
Film Revue im Februar 1955. Käutner verarbeitet mit
George Hurdalek den Zuckmayer-Stoff zum Drehbuch. Die parteipolitischen Privatinteressen zwischen
Hermann Görings Luftwaffe und
Heinrich Himmlers SS während des Zweiten Weltkriegs wird als zentrales Thema behandelt.
Curd Jürgens spielt den berühmten Luftwaffengeneral Harry Harras, der neben dem Fliegen auch Frauen und Alkohol zugetan ist. Nachdem ein SS-Gruppenführer erfolglos versucht, den General anzuwerben, wählt dieser den Freitod, um sich seine persönliche Freiheit zu erhalten. Als gefährlicher Gegenspieler des Generals ist
Viktor de Kowa in der Rolle des skrupellosen SS-Gruppenführers Schmidt-Lausitz zu sehen. Interessant ist, ob die bekannten Schauspieler mit ihren Rollen dazu beitragen, dass der Begriff der Kollektivschuld entkräftet wird.
© Constantin Film
Corinna Harfouch
Zwiespältiger Rehabilitationsfilm?
Das Vorbild für Luftwaffengeneral Harras lieferte Generalflugzeugmeister Ernst Udet, der 1941 offiziell bei der Erprobung eines neuen Flugzeugs tödlich verunglückte. Der Jagdflieger war mit
Carl Zuckmayer befreundet und erschoss sich in Wirklichkeit selbst. Die Verfilmung des Stücks erhielt das Prädikat "wertvoll" der Filmbewertungsstelle.
Curd Jürgens bekam für die Verkörperung von Harras den Coppa Volpi der Filmfestspiele von Venedig als bester Hauptdarsteller. Von der Kritik musste sich
Käutner vorwerfen lassen, sein Kriegsdrama sei zwar formal beachtlich, entschärfe aber das Bühnenstück in seiner politischen Dimension. 1997 entstand unter der Regie
Frank Castorfs ein Fernsehfilm gleichen Titels mit
Corinna Harfouch als Luftwaffengeneral Harras. Sie übernahm diese Rolle auch in Castorfs gleichnamiger Theaterinszenierung im Jahr 1997. Hierfür wurde sie sogar mit dem renommierten Gudrun Eysold-Ring ausgezeichnet.