Interview

Dustin Hoffman und Emma Thompson
Emma Thompson und Dustin Hoffman über die Liebe

"Wir fokussieren zu sehr auf Sex"

Emma Thompson überreichte ihrem Schauspielkollegen Dustin Hoffman beim nationalen Filmpreis Frankreichs vor kurzem den César für sein Lebenswerk. Während unseres Gesprächs enthüllt der Schauspieler, dass ihm das wie eine vorzeitige Beerdigung vorgekommen sei. Demnächst sind Thompson und Hoffman in "Liebe auf den zweiten Blick" zu sehen. Im Interview mit beiden wird deutlich, dass sie nicht nur auf der Leinwand hervorragend harmonieren.

Liebe auf den zweiten Blick

Liebe auf den zweiten Blick

Ricore: Mrs Thompson, Sie bekommen zahlreiche Filmangebote. Warum haben Sie sich für "Liebe auf den zweiten Blick" entschieden?

Emma Thompson: Sie werden sich vielleicht wundern, doch es ist sehr selten, dass man ein gutes Drehbuch bekommt. Es ist als weibliche Schauspielerin sehr schwer, eine gute Rolle zu finden. Das letzte gute Drehbuch, das ich erhalten habe, war "Schräger als Fiktion". Man weiß immer sofort, ob ein Drehbuch gut geschrieben ist. Das wird nach den ersten Seiten klar. Das Drehbuch von Regisseur Joel Hopkins war ehrlich und zugleich simpel. Diese Kombination ist relativ schwer zu erzielen. Ich erinnere mich daran, wie ich Dustin Hoffman angerufen habe. Ich sagte ihm "Sag sofort für diesen Film zu! Schau weder nach rechts, noch nach links, sprich mit niemandem! Spiel diesen Film." Es war ein wirklich gutes Drehbuch. Und es steht außer Frage, dass gute Drehbücher selten sind. Insofern konnte ich mich glücklich schätzen, die Rolle zu bekommen.

Ricore: Sehen Sie Parallelen zwischen Harvey Shine und Ihrem eigenen Leben?

Dustin Hoffman: Bei meiner Tochter Jenna und mir war es etwas anders. Wir hatten uns nicht entfremdet, wie Harvey und seine Tochter. Bis Jenna älter war, wusste ich nicht, dass sie als Kind nach der Scheidung so viel Schmerz empfand. Sie ließ ihn nicht raus, vergrub ihn in sich. Mit sieben, acht, neun Jahren drückte sie ihren Schmerz nicht aus. Erst später teilte sie mir das mit. Das inspirierte mich bei meiner Rede, die ich im Film halte. Ich fragte Joel, ob ich die Rede selbst schreiben könnte. Ich überzeugte ihn folgendermaßen: Ich fragte ihn, ob ihm "Kramer gegen Kramer" gefiel. Er sagte "Ja". "Erinnerst Du Dich an Meryl Streeps Rede vor Gericht?", fragte ich weiter. Joel bejahte. Ich erzählte ihm, dass Meryl Streep den Regisseur damals fragte, ob sie diese Rede schreiben könne. "Dieser Regisseur hat es ihr erlaubt", sagte ich zu meinem Regisseur.

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