© Ben Mark Holzberg/CBS
"Zwischen Leuten vermittelt"
Verhandlungsprofi Enrico Colantoni
Fans der Serie "
Veronica Mars" dürfte
Enrico Colantoni noch bestens als Sheriff der fiktiven Stadt Neptune in Erinnerung sein. In der kanadischen Polizeiserie "
Flashpoint - Das Spezialkommando" spielt er erneut einen Gesetzeshüter. Als Chef-Verhandler der Strategic Response Unit (SRU) bekommt er es mit Geiselnehmern und Bombenlegern zu tun. Im Interview erzählt uns der gebürtige Kanadier, warum er in Wirklichkeit nie Polizist werden würde und welche Rolle die Familie für ihn spielt. Zudem verrät er uns den entscheidenden Wendepunkt in seinem Leben.
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Enrico Colantoni, Sergio di Zio, Gabriel Hogan in einer Szene aus: Flashpoint - Das Spezialkommando
Ricore: Was unterscheidet "Flashpoint - Das Spezialkommando" von den vielen anderen Krimi- und Polizei-Serien, die derzeit im Fernsehen laufen?
Enrico Colantoni: Die emotionale Intelligenz. In unserer Serie geht es nicht in erster Linie um Forensik, sondern eher um die Bürde der Helden. Wir sehen Polizisten, die den Frieden aufrecht erhalten wollen. Sie sind Helden, weil sie sich auch nach vielen Jahren im Dienst noch für den Frieden engagieren. Dabei wollen sie möglichst niemanden töten und wenn es doch mal sein muss, hat das Konsequenzen. Dann empfinden sie Reue und Frustration.
Ricore: Der Pilotfilm beginnt als Action-Episode und entwickelt sich in gewisser Weise zu einer kleinen Charakterstudie. Ist das charakteristisch für die ganze Serie?
Colantoni: In der ersten Staffel ändert sich das ein wenig und wir erfahren auch mehr über all die anderen Charaktere. Im Grunde sind die Leute, mit denen es unsere Figuren jeden Tag zu tun bekommen, keine Kriminellen. Es sind Leute, die aus Frustration oder anderen Gründen schlimme Dinge tun. Wir haben Mitgefühl und Verständnis für diese Menschen. Wir wollen sie auf eine Weise erreichen, die in den meisten Polizei-Serien keine Rolle spielt.
Ricore: Wie würden Sie Ihren Serien-Charakter beschreiben?
Colantoni: Er ist ein Verhandlungsspezialist, der zunächst kommunizieren will. Dann lässt er den Charakter von Ed Lane den taktischen Teil übernehmen. Meine und seine Figur ergänzen sich und ergeben sozusagen einen ganzen Menschen. Mein Charakter ist mehr der emotionale, intellektuelle Typ, der die Dinge verstehen will, damit eine Kommunikation möglich ist.
Ricore: Inwiefern können Sie sich mit Ihrer Figur identifizieren?
Colantoni: Ich habe mein ganzes Leben lang zwischen Leuten vermittelt. [lacht]
Ricore: Wie meinen Sie das?
Colantoni: Ich bin ein geschiedener Mann, der mit seiner Ex-Frau nach wie vor befreundet ist. Nicht jeder ist dazu in der Lage. Seit jeher bin ich jemand, für den Frieden absoluten Vorrang hat. Frieden, Respekt und Verständnis gegenüber anderen Menschen. Viele meiner Freunde haben einen anderen Glauben und eine andere Sichtweise. Auch als Schauspieler ist es wichtig, andere Leute nicht einfach zu verurteilen, egal, ob sie gut oder böse erscheinen. Auf diese Weise können wir uns in den Charakter einfühlen und in diese Welt eintauchen.