© Senator Film Verleih
Der Geruch von verbranntem Fleisch
Samuel Maoz verarbeitet Trauma
In seinem Spielfilmdebüt "
Lebanon" verarbeitet
Samuel Maoz seine traumatischen Erfahrungen aus dem Jahr 1982 als Soldat im ersten Libanonkrieg. 25 Jahre konnte er nicht an seinen Erinnerungen rühren, ohne verbranntes Fleisch zu riechen. Erst die zeitliche Distanz machte die Reflexion über den Schrecken möglich. Als das Antikriegsdrama 2009 auf den
Internationalen Filmfestspielen von Venedig aufgeführt wird, wird es als Sensation gefeiert und mit dem
Goldenen Löwen als bester Film ausgezeichnet. Mit uns sprach der israelische Regisseur und Drehbuchautor über seine Erlebnisse im Krieg, den Frieden und die Macht des Films.
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Lebanon
Ricore: Herr Maoz, "Lebanon" basiert auf Ihren persönlichen Erlebnissen, die Sie als Soldat im Libanonkrieg 1982 erlebt haben. Warum haben Sie sich so lange Zeit gelassen, um diese Erfahrung zu verfilmen?
Samuel Maoz: Das erste Mal, als ich mich an den Stoff heranwagte, war unmittelbar nach meinem Filmstudium in den 1980er Jahren. Das war eine seltsame Erfahrung. Die erste Erinnerung, die ich plötzlich beim Schreiben hatte, war der Geruch von verbranntem Fleisch. Ich musste die wenigen Seiten, die ich schon hatte, wieder weglegen. Ich wollte keinen Film als jemand machen, der am Krieg teilgenommen hat. Ich wollte die Erinnerungen und die Schmerzen zu etwas Kreativem kanalisieren.
Ricore: Woran ist der erste Versuch gescheitert?
Maoz: Damals fühlte ich, dass ich emotional noch zu sehr von meinen Erinnerungen mitgenommen war. Hätte ich den Film damals gemacht, wäre daraus etwas Chaotisches geworden. Der andere Grund, wieso ich mir so lange Zeit gelassen habe, war die Rücksicht gegenüber meiner Generation. In Israel nannte man uns die Libanon-Generation. Viele unserer Eltern und Lehrer kamen aus Europa, einige von Ihnen erlebten die Schrecken der Konzentrationslager. Ich kann mich an meine Lehrerin erinnern, wie sie in der Klasse lauthals schrie, dass wir für unser Land sterben müssten. Sie und ihre Generation hatten einen Grund, das zu glauben. Denn sie lebten in der Angst, dass jeder unser Volk vernichten will.
Ricore: Und was für Kinder waren Sie und Ihre Generation?
Maoz: Wir dagegen waren normale Kinder, die in Israel geboren wurden und dort aufwuchsen. Trotzdem unterliefen wir einer Gehirnwäsche. Unverletzt aus dem Krieg zurückzukehren kam damals fast einer Schmach gleich. Wir sollten dankbar sein, dass wir am Leben sind, während die ältere Generation die Konzentrationslager erlebten. Wir hatten einfach das Gefühl, dass die Älteren ihr Erlebnis gegen uns einsetzen. Am Ende konnten und durften wir uns nicht beschweren.