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Zwischen Verantwortung und Freiheit
Christian Ulmen kontrovers
"Es gibt bestimmte Regeln, an die man sich halten muss", betont
Christian Ulmen in der Rolle des alleinerziehenden Vaters in "
Einer wie Bruno" mit Nachdruck. Was der Schauspieler selbst von Regeln hält, erklärt er im Interview mit
Filmreporter.de. Zudem spricht er über seine eigene Erziehung, das Leben als öffentliche Person und die Grenzen der Moral. Eines wird dabei deutlich: Wenn es um seine Arbeit als Schauspieler geht, macht Ulmen keine Kompromisse.
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Christian Ulmen und Lola Dockhorn in "Einer wie Bruno"
Ricore: Haben Sie sich für die Interpretation Ihrer Figur in "Einer wie Bruno" besonders vorbereitet?
Christian Ulmen: Ich habe schon sehr viele behinderte Menschen kennengelernt. Zudem war das Drehbuch so dicht und gut, dass früh klar war, wohin die Reise geht und wie ich die Figur spielen sollte.
Ricore: Verspüren Sie bei der Verkörperung eines geistig behinderten Menschen eine besondere Verantwortung, um eine klischeehafte Darstellung zu vermeiden?
Ulmen: Die verspüre ich bei jeder Figur. Es ist egal, ob der Charakter komödiantisch oder ernst angelegt ist. Ich habe immer den Anspruch, dass er geglaubt wird.
Ricore: Wie viel von Ihrer eigenen Persönlichkeit spiegelt sich in der Figur des Bruno wider?
Ulmen: Bruno ist ein geistig behinderter Mann. Ich selbst halte mich für einen mental relativ gesunden Menschen, obwohl man das von sich selber ja nie mit endgültiger Gewissheit sagen kann (lacht). Wobei Bruno selbst irgendwann merkt, dass er nicht wie die anderen ist und darunter leidet. Ich hatte diese Erkenntnis in der Form bis jetzt noch nicht und bilde mir deshalb ein, dass von Bruno nichts in mir steckt. Ich habe ihn aber gern.
Ricore: Es gab doch sicherlich auch in Ihrem Leben Situationen, in denen Sie sich anders als der vermeintliche Durchschnittsmensch gefühlt haben.
Ulmen: Absolut. Aber Bruno ist geistig krank, ich leide höchstens an Neurosen. Mich verunsichert etwa immer ein wenig, wenn jemand auf der Straße ein Foto mit mir machen will. Weil es mir unangenehm ist. Die Höflichkeit gebietet, es doch zu tun, schließlich ist der Foto-Wunsch ja eine ganz nette Geste. Ich taumele dann zwischen Distanz und Freundlichkeit.
Ricore: Sie haben sich also nach wie vor nicht daran gewöhnen können, auf der Straße erkannt zu werden.
Ulmen: Ich habe mich daran gewöhnt, dass es mich grundsätzlich irritiert. Manchmal finde ich es voll okay. Der große
Thomas Gottschalk beherrscht das brillant. Den habe ich vor kurzem im Flugzeug gesehen. Als er in der Empfangshalle auf den Koffer warten musste und natürlich von dutzenden Leuten angesprochen wurde, hat er sich aufrichtig mit jedem unterhalten und ich hatte wirklich nicht das Gefühl, dass ihm das unangenehm war oder er den Leuten da was vorspielt. Im Gegenteil. Das hat mir imponiert. Es ist eben eine Frage des Naturell. Ich bevorzuge es, für mich zu sein, wenn ich unterwegs bin. Nicht aus Ignoranz, sondern weil ich eher vom Schlage Tagträumer bin.