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Ist Kunst immer politisch?
Alison Klayman über Ai Weiwei
Zwei Jahre begleitet die amerikanische Journalistin
Alison Klayman den chinesischen Künstler und Dissidenten
Ai Weiwei. Aus hunderten Stunden Aufnahmen entsteht die Dokumentation "Ai Weiwei: Never Sorry". Darin verknüpft sie aktuelle Ereignisse mit biographischen Erlebnissen. Im Interview mit
Filmreporter.de spricht Klayman über die Arbeit an ihrem ersten Dokumentarfilm. Auch über Ai Weiweis gegenwärtige Lage sowie seinen Einfluss auf China weiß sie viel zu berichten.
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Ai Weiwei: Never Sorry
Ricore Text: Wann haben Sie Ai Weiwei zum letzten Mal getroffen?
Alison Klayman: Im Herbst 2011. Ich habe ihn ein paar Monate nach seiner Entlassung besucht. Aber wir schreiben uns viele SMS und sind auch sonst ständig in Kontakt.
Ricore: Wie geht es ihm? Hat sich seit seiner Festnahme und anschließenden Entlassung viel für ihn verändert?
Klayman: Er arbeitet an einigen neuen Projekten. Sie wirken nicht so, als gäbe es da einen großen Bruch. Wie die Welt diese neuen Kunstwerke aufnehmen wird, hängt davon ab, ob er wieder reisen können wird und seine Werke das Land verlassen dürfen. Ich glaube, er hat viel über die Haft nachgedacht. In den Monaten nach seiner Entlassung, hat er ständig daran gedacht. Aber auch jetzt noch - ein Jahr später - versucht er, das zu verarbeiten. Die Haft und die Entlassung schaffen ein neues Paradigma für seine Arbeit. Für ihn ist die Frage, ob er in China weiter künstlerisch tätig sein kann oder ob das zu schwierig wird.
Ricore: Leben Sie noch in China?
Klayman: Zurzeit lebe ich in New York. Ich bin dahin gegangen, um den Film zu schneiden. Auch für die Vermarktung des Films macht es Sinn, in New York zu sein. Aber ich will auf jeden Fall nach China zurück.
Ricore: Hatten Sie bei den Dreharbeiten in China ähnliche Probleme wie Ai Weiwei?
Klayman: Nein. Ai Weiweis Situation unterscheidet sich sehr von der in den letzten Jahren. Früher konnte er reisen. Gelegentlich wurde er von der Polizei besucht, aber das war's. Er gab Interviews und schrieb auf Twitter. 2009 wurden Kameras um sein Haus installiert. Da habe ich kurz gezögert aber es waren keine unmittelbaren Konsequenzen damit verbunden. Nicht allen Leuten, die Weiwei besucht haben, ging es um etwas Politisches. Er ist ja auch ein weltweit anerkannter Künstler, Designer und Architekt. Wenn ich versuchen würde, einen Film über den blinden Anwalt Chen Guangcheng zu machen, wäre das anders. Das wäre nicht gegangen. Das zeigt auch die einzigartige Stellung von Ai Weiwei. Ich wusste anfangs selbst nicht, was aus meinem Projekt werden würde. Und ich arbeitete ja auch als Journalist, also hatte ich ein paar Rechte was das Mitführen von Kameras angeht.