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Katharina Thalbach über die Solidarnosc
Rückkehr nach Danzig
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Katharina Thalbach in "Strajk - Die Heldin von Danzig"
Ricore: Frau Thalbach, wie haben Sie die Zeit der Solidarnosc in Polen erlebt?
Katharina Thalbach: Ich war in der DDR und saß ungläubig vor dem Fernseher. Das war schon wahnsinnig, dass in einem sozialistischen Land Arbeiter so eine Eigeninitiative ergriffen und ihr Schicksal so in die eigene Hand genommen haben. Dazu kam ja noch die Papstwahl. Ganz Polen kniete vor Papst Johannes Paul nieder und die Kommunisten konnten nichts dagegen tun. Das war schon ein außergewöhnliches Gefühl.
Ricore: Dachten Sie, dass diese Stimmung von Polen aus nach Deutschland rüberschwappen könnte?
Thalbach: Da bin ich mir nicht sicher. Ich denke, dass der Katholizismus dem polnischen Volk sehr den Rücken gestärkt hat. Die DDR war lange nicht so religiös und konnte deswegen nicht so eine Kraft ausstrahlen. Wir hatten ja auch viel Angst, keiner wusste, wohin dieser Aufstand der Arbeiter in Polen führen würde. Es lag eine große Ungewissheit über der ganzen Angelegenheit.
Ricore: Welchen einen Einfluss hatten die Ereignisse in Polen auf die deutsche Wiedervereinigung?
Thalbach: Also im Zusammenhang mit dem Papstbesuch hatte dieser Arbeiteraufstand die Kraft, gegen die Partei anzukommen. Ich denke schon, dass dadurch diese Geschichte auch ein Stück weit deutsche Geschichte ist und sehr wohl mit der Wiedervereinigung in Verbindung gebracht werden kann.
Ricore: Wie beurteilen Sie die deutsch-polnischen Beziehungen heute?
Thalbach: Bei einer meiner letzten Theaterproduktionen in Frankfurt an der Oder lief es wirklich erstaunlich gut. Es war ein fluktuierendes Geben und Nehmen, sehr kollegial. Wie das deutsch-polnische Verhältnis generell ist, das kann ich nicht beurteilen. Da müssen Sie einen Diplomaten oder Politiker fragen.