| Originaltitel | Boxhagener Platz | |
| Genre | Drama | |
| Land & Jahr | Deutschland 2010 | |
| Kinostart | 04.03.2010 (Pandora Film) | |
| FSK & Länge | ab 6 Jahren• 103 min. | |
| Regie | Matti Geschonneck | |
| Darsteller | Jürgen Vogel, Meret Becker, Horst Krause, Michael Gwisdek, Hans-Uwe Bauer, Frank Witter | |
| Links | IMDB | |
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Bewertung (Skala: 1-10)
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Ostberlin im Jahre 1968: Oma Otti (Gudrun Ritter) und ihr zwölfjähriger Enkel Holger (Samuel Schneider) sind ein Herz und eine Seele. Bei ihren vielen Spaziergängen zum Friedhof lernt Holger den charmanten und gutaussehenden Karl Wegner (Michael Gwisdek) kennen. Der erzählt ihm von Studentenrevolten und der sexuellen Befreiung, die gerade im Westen im vollen Gange sei. Auch wirft er ein Äuglein auf Oma Otti, die in Kürze wieder zu haben ist, denn ihr bereits sechster Mann Rudi liegt gerade im Sterben. Dafür beneidet sie ihre Tochter Renate (Meret Becker), die sich in ihrer eigenen Ehe derzeit eingeengt und missverstanden fühlt. Dass sie nicht längst in den Westen abgehauen ist, liegt an Sohn Holger. Eines Tages geschieht das Unglück: Fisch-Winkler (Horst Krause), ein Altnazi und darüber hinaus ein unangenehmer Zeitgenosse, wird in seinem Laden ermordet. Otti glaubt, ihr Mann habe das Verbrechen begangen, aus Eifersucht. Schwiegersohn Klaus-Dieter (Jürgen Vogel) nimmt sich dem Fall an und glaubt, dass seine Stunde geschlagen habe. Als Rudi stirbt und Otti ihre Liebe zu Karl entdeckt hat, hat das Unglück bereits seinen Lauf genommen.
Matti Geschonnecks "Boxhagener Platz" ist in melancholischen, liebevollen Bildern fotografiert. Die unterschwellige Ironie tut dem Film gut und verstärkt das Bild des spießbürgerlichen Alltags des Viertels. Es geht dem Regisseur nicht darum, einen weiteren Ostalgie-Schinken zu drehen, mit möglichst vielen Stasi-Anspielungen. Er wollte den Alltag einer vitalen, knapp 80-jährigen Oma verfolgen. Geschonneck wuchs selbst im Berliner Stadtteil Friedrichshain am Boxhagener Platz auf und verbindet viele Erinnerungen aus seiner Kindheit mit der Nachbarschafft hier. Insofern kam Torsten Schulz' Romandebüt richtig und wartete geradezu auf einen Regisseur, der ein Händchen für die Umsetzung hat. Die Geschichte strotzt vor Liebes- und Lebenslust. Es geht nicht vorrangig um Schuld oder Sühne oder den Ost-West-Konflikt. Das alles findet sich zwischen den Zeilen, wenn etwa über aufrührerische Flugblätter gesprochen oder die sexuelle Revolution im Westen verteufelt wird. Doch der kleine Mikrokosmos Boxhagener Platz bleibt davon unbeeindruckt. Durch die lakonische Erzählweise und die liebevoll gestaltete Atmosphäre entfaltet der Film seine wahre Stärke. "Boxhagener Platz" ist kein dunkles DDR-Drama, ganz im Gegenteil. Er ist voll trockenem Humor, Ironie und Berliner Charme. Dies hat er auch seinem begabten Schauspielensemble, bestehend aus Jürgen Vogel, Michael Gwisdek, Milan Peschel, Gudrun Ritter und Samuel Schneider zu verdanken, der hier in seiner ersten Spielfilm-Hauptrolle zu sehen ist.

Matti Geschonneck verbindet viel mit dem Flair und der Atmosphäre rund um den Boxhagener Platz im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Er verbrachte dort... weiter