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Abwanderung von Filmstars zum Fernsehen
Siegfried Lowitz vor neuer Aufgabe
Licht an und Studio frei für eine Fernsehproduktion, die es in sich hat. 1958 produziert der Süddeutsche Rundfunk das Fernsehspiel "Die Kraft und die Herrlichkeit" nach einem Roman des britischen Schriftstellers
Graham Greene. Noch beschränkt man sich auf Innenaufnahmen im Atelier und verzichtet auf Aussendrehs. Doch mit aufwendigen Kulissen und Starbesetzung versucht das junge Medium Fernsehen, dem Kino Paroli zu bieten. Hat man sich doch die Mitwirkung von Filmstars wie
Siegfried Lowitz,
Franz Schafheitlin und
Hannes Messemer gesichert.
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Rainer Wolffhardt bei der Arbeit
Flucht vor Revolutionstruppen
Mitte Januar 1958 berichtet die Rundfunkzeitschrift
Bild und Funk von den Dreharbeiten zu "Die Kraft und die Herrlichkeit". Die Handlung ist in Mexiko angesiedelt, wo linksgerichtete Revolutionäre einen erbarmungslosen Kampf gegen die katholische Kirche führen. Einer der letzten noch verbliebenen Priester (
Siegfried Lowitz) irrt über die Dörfer. Er versteckt sich vor seinen Verfolgern und nimmt sich als Seelsorger der armen Leute an.
Der Priester begreift seine seelsorgerische Arbeit als Buße für die in seinem Leben begangenen Verfehlungen. So ist er dem Alkohol verfallen, hat ein Kind in die Welt gesetzt und hadert mit Gott. Als der Priester einem angeschossenen Gangster die letzte Beichte abnehmen will, läuft er in eine Falle: Die Revolutionäre ergreifen ihn und beschließen den Tod des Priesters. Kurz vor seiner Exekution kommt es zum Gedankenaustausch des Priesters mit dem Leutnant der Revolutionstruppe (
Hannes Messemer). Beide entwickeln Respekt füreinander. Denn jeder von ihnen versucht auf seine Weise, der Unmenschlichkeit in der Welt zu entkommen.
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Siegfried Lowitz
"Der Alte" als Arme-Leute-Priester
Die Mitwirkung prominenter Schauspieler in Fernsehproduktionen ist 1958 noch keine Selbstverständlichkeit. Die angeschlagene Filmbranche wehrt sich mit allen Mitteln gegen die Abwanderung ihrer Stars zum Fernsehen.
Siegfried Lowitz, der mit Kinofilmen wie "
Haie und kleine Fische" oder "Mein Vater, der Schauspieler" bekannt geworden ist, stellt sich früh in den Dienst des Fernsehens. Dem anerkannten Theaterschauspieler bieten Literaturadaptionen wie Greenes "Die Kraft und die Herrlichkeit" die Chance, in Charakterrollen vor ein immer größeres Fernsehpublikum zu treten.
Mit den Jahren wird Lowitz zu einem der profiliertesten Schauspieler des westdeutschen Fernsehens. Seine Popularität erreicht ihren Höhepunkt, als er von 1977 bis 1985 die Rolle des Kommissars Köster in der Krimireihe "Der Alte" spielt. "Die Kraft und die Herrlichkeit" bleibt nicht seine einzige Zusammenarbeit mit Regisseur Rainer Wolffhardt. 1958 drehen Lowitz und Wolffhardt das aufgrund seiner Ost-West-Thematik umstrittene Fernsehspiel "Besuch aus der Zone". Im Jahr darauf entsteht "
Bei Anruf Mord", ein Remake des gleichnamigen
Hitchcock-Klassikers. 1967 verpflichtet Wolffhardt seinen bewährten Protagonisten Lowitz für das Fernsehspiel "Biedermann und die Brandstifter" nach dem Bühnenstück von
Max Frisch.