Mit "
Before Sunrise" gelang
Ethan Hawke (33) und
Julie Delpy (34) vor neun Jahren ein Geniestreich. Die leidenschaftliche Gesprächsromanze zwischen dem Amerikaner Jesse und der Französin Celine begeisterte mit ihren philosophischen Lebensthesen vor allem gebildete Romantiker und avancierte zum Geheimtipp der Kulturszene. In "
Before Sunset" führt Regisseur
Richard Linklater die Geschichte einem mehr als würdigen Ende zu. Näheres erzählten uns Hawke und Delpy in Berlin.
Ricore: Mrs. Delpy, Mr. Hawke, warum war "Before Sunrise" so erfolgreich?
Ethan Hawke: Es konnten sich einfach viele Leute mit der Situation identifizieren. Man trifft zufällig eine Person, versteht sich auf Anhieb und verbringt eine gemeinsame Nacht: Es ist eine ganz besondere, die Routine des Alltags durchbrechende Erfahrung.
Ricore: Bei der Fortsetzung war diese Voraussetzung aber nicht mehr gegeben.
Hawke: Dafür treffen sich zwei alte Geliebte wieder, lassen ein Stück ihres Lebens Revue passieren und versuchen, sich eine Meinung darüber zu bilden. Ich zumindest habe das auch schon mal erlebt.
Ricore: Trotz Ihrer intensiven gemeinsamen Drehbucharbeit wirken die Dialoge spontan und improvisiert. Wie war das möglich?
Julie Delpy: Man muss seinen Text enorm gut lernen und sich jedes Wort einprägen. Nur dann kann man so sprechen, dass es improvisiert wirkt.
Hawke: Die Dialoge mussten frisch wirken und Spannung erzeugen. Denn die Sprache ist das einzige dramatische Element in "
Before Sunset". Also haben wir alles so natürlich wie möglich gehalten und alles in Echtzeit gefilmt.
Ricore: Welche Bedeutung hatte der erste Film für Sie persönlich?
Hawke: Es war eine wundervolle Erfahrung. Ich habe damals wirklich alles gegeben und viele intime Aspekte in die Story eingebracht. Umso schöner war es jetzt, an diese Geschichte anzuknüpfen. Trotzdem war ich nervös: Denn wenn die Story des zweiten Teils gehinkt hätte, wäre dadurch auch der erste Teil in seiner Bedeutung herabgesetzt worden.