Interview

Manfred-Anton Algrang am Set von "Bergblut"
"Ich hatte keinen Plan B"

Risikofreudig: Manfred-Anton Algrang

Manfred-Anton Algrang absolviert zunächst eine Handwerkerlehre, kann sich jedoch nicht ins Metier einfinden. Er will weg aus Südtirol, hinaus in die Welt. Als er das argentinische Stück "Nichts mehr nach Calingasta" von Julio Cortázar sieht, ist seine Zukunft entschieden. Fortan will er Schauspieler werden. Einen Plan B hat er nicht, wie er uns im Interview versichert. Das Risiko wird belohnt. Nach ersten Engagements auf der Bühne folgen mehrere Fernsehrollen. Im Kino ist als als Albert Speer in "Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat" zu sehen. Mit "Bergblut" kehrt er in seine Südtiroler Heimat zurück.

Bergblut

Bergblut

Ricore: Was war das für ein Gefühl, in ihrer Heimat zu drehen?

Manfred-Anton Algrang: Ich hatte schon immer den Wunsch, ein Projekt in Südtirol zu machen. Das ist jetzt in Erfüllung gegangen. Just wenn man anfängt, zu arbeiten, relativiert sich das. Man ist auf die Arbeit konzentriert und die ist immer mehr oder weniger gleich. Allenfalls die Sets unterscheiden sich voneinander. Während der Dreharbeiten zu "Bergblut" haben wir uns lustigerweise alle auf Hochdeutsch unterhalten. Für mich persönlich war das einfacher, weil ich auf Hochdeutsch besser formulieren kann.

Ricore: Wie haben die Südtiroler auf die Dreharbeiten reagiert?

Algrang: Sie waren von der Produktion ganz angetan. Alle waren sehr nett, superfreundlich und hilfsbereit. Wir hatten eine tolle Gaudi.

Ricore: Wichtige Themen sind Heimat und Patriotismus. Konnten Sie damit irgendwas anfangen?

Algrang: Während der Dreharbeiten hatte ich manchmal eine Gänsehaut. Ich merkte, dass die Geschichte ein Teil von mir ist, auch wenn sie nur indirekt etwas mit mir zu tun hat. Wenn ich sage, dass ich aus Südtirol stamme, werde ich für einen Österreicher gehalten. Nein, sage ich dann, Südtirol gehört zu Italien. Dann kommt als Antwort: Was, du bist Italiener? Du hast doch einen deutschen Namen. So viel zum Thema Heimatgefühle. Als Südtiroler ist man häufig mit Fragen konfrontiert wie: Wer bin ich eigentlich? Wozu gehöre ich? Die einzig richtige Antwort auf diese Frage ist: Ich bin Südtiroler

Ricore: Was bedeutet Heimat für Sie?

Algrang: Heimat ist für mich in erster Linie der Ort, an dem ich geboren bin. Darüber hinaus ist Heimat für mich, wo ich mit meiner Familie bin. Zurzeit wohne ich in München also ist hier meine Heimat. Für die meisten Menschen bedeutet Heimat eine Art Verwurzelung mit den Ursprüngen. Ich bin mit 25 Jahren aus Südtirol weg und habe damit meine Verwurzelung gekappt. Für mich ist es keinesfalls so, dass ich in meiner Heimat hätte bleiben müssen. Wenn ich etwas finde, wo ich gut arbeiten kann und es auch mit der Familie vereinbar ist, dann kann ich mich auch fern meiner Wurzeln wohlfühlen.

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