RETRO Feature

Francesco Rosi
Verbrechen, Korruption, Machtmissbrauch

Francesco Rosis Leidenschaft

Rosis Filme überzeugen bis heute mit ihrer explosiven Kraft, so Berlinale-Direktor Dieter Kosslick. Sie gehören zu den Klassikern des politisch engagierten Kinos. 2008 wird der italienische Regisseur Francesco Rosi bei den 58. Filmfestspielen in der deutschen Hauptstadt mit dem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet. Dies ist für den in Neapel geborenen Filmemacher nicht die erste Auszeichnung aus Berlin. Bereits 1962 erhielt Rosi den Silbernen Bären für die beste Regie von "Wer erschoß Salvatore G.?" Film und Preis brachten den internationalen Durchbruch.

Szene aus "Wer erschoß Salvatore G.?"

Szene aus "Wer erschoß Salvatore G.?"

Es wäre ein großer Fehler, Rosis Werke außerhalb des politisch-gesellschaftlichen Kontextes Italiens zu sehen. Vor allem in den 1960er Jahren, als Politiker der Mafia den Kampf ansagen und eine Aufbruchsstimmung in der Bevölkerung zu spüren ist, bleibt dennoch die Kluft zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden immer spürbar. In dieser Zeit entstehen Francesco Rosis wahrscheinlich eindrucksvollsten Werke. Das ist verständlich, denn der Neapolitaner sieht die Probleme so klar wie kaum ein anderer. Mit "Wer erschoß Salvatore G.?" inszeniert er die Geschichte eines realen Mordfalls in einer italienischen Kleinstadt. So begibt sich der Regisseur in Rückblenden und Zeitsprüngen auf die Spuren des Banditen Salvatore Giuliano und revidiert die Legenden von dem vermeintlichen Sozialrebellen. Dabei hat er die Meinung der Öffentlichkeit nicht immer auf seiner Seite. Seinen Ruf, Spezialist von Macht- und Korruptionsdramen, Mafia- und Krimithriller zu sein, wird er nicht mehr los.

Das Schicksal des Gauners Salvatore G.

Das Schicksal des Gauners Salvatore G.

Zum Film kommt Francesco Rosi früh. "Ich war sehr jung, war beeindruckt von der Leidenschaft meines Vaters für Film und Fotografie. Ich denke, ich hatte nie vor, etwas anderes zu machen", erzählt der am 15. November 1922 geborene Italiener in einem Interview im Rahmen des Münchner Filmfestes 2001. Nach einem abgebrochenen Rechtswissenschaftsstudium lernt Rosi sein Handwerkszeug als Regieassistent und Drehbuchautor bei Luchino Visconti, Michelangelo Antonioni und Mario Monicelli. Wie Visconti vertraut auch er bei seinen ersten Regiearbeiten oft auf die Authentizität von Laiendarstellern. Bereits sein Debüt "Die Herausforderung" erhält positive Kritiken. Das Werk erzählt die wahre Geschichte von Pasquale Simonetti, der aufgrund einer Umstrukturierung in der neapolitanischen Camorra von Gaetano Orlando ermordet wird. Simonettis Gattin wird zu einer führenden Persönlichkeit der Camorra.

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