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Wirklichkeit immer im Blick
Fritz Langs Zeitbilder
Fritz Lang gehört neben
Friedrich Wilhelm Murnau und
Georg Wilhelm Pabst zu den drei großen Filmemachern der Weimarer Republik, deren Bedeutung bis heute nachhallt. Wie diese geht auch Lang auf dem Höhepunkt seiner Karriere nach Hollywood. Während Pabst an den Erfolg seiner deutschen Jahre nicht anknüpfen kann und Murnau nach wenigen Filmen einen tragischen Unfalltod erleidet, gelingt Lang eine fulminante zweite Karriere. In Hollywood kann Lang nicht nur qualitativ an seine früheren Filme anknüpfen, sondern auch Themen und Motive seines Frühwerks weiterführen. Filmreporter.de hat sich das Werk des Ausnahmeregisseurs angesehen.
© Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum
Die Nibelungen: Siegfried
Der Visionär: Fritz Lang
Fritz Lang - der Monokel-Träger im eleganten Anzug - ist ein Mann mit Haltung. Er ist klug, gebildet und hat aristokratische Umgangsformen. Sein Blick ist kalt, scharfsinnig und prophetisch. Kaum ein Regisseur der Weimarer Republik ist in der Lage, so feinfühlig gesellschaftliche Entwicklungen wahrzunehmen und ihre inneren Strukturen und unsichtbaren Kräfte zu erkennen. Selbst in den großen fantastisch-märchenhaften Epen der 1920er Jahre, in "
Der müde Tod", dem mythischen "
Nibelungen"-Diptychon, dem epochalen Science-Fiction "
Metropolis" oder dem Spionage-Thriller "
Spione" hallt die Realität bei Lang spürbar nach.
Dennoch sind diese Werke keine filmischen Realitätsabbildungen der vorgefundenen Wirklichkeit im klassischen Sinne, als vielmehr Verdichtungen in symbolischer Form, welche die Wirklichkeit in Form von "Verschiebungen" kristallisieren, wie der Filmwissenschaftler Thomas Koebner treffend formuliert. (vgl: Thomas Koebner. Fritz Lang. In: Ebd (Hg.). Filmregisseure. Reclam, 2002). Lang ist ein aufmerksamer Zeitgenosse, der wie eine "osmotische Membrane" Zeit und Umwelt, Wünsche aber auch Ängste seiner Zeitgenossen in "die fantastischen Phantasiekonstruktionen seiner Filme einfließen lässt" (Koebner). In Hollywood, wohin Lang nach 1933 emigriert, lässt der kritisch-liberale Filmemacher die Umwege sein und nennt die Missstände beim Namen.
© Absolut Medien
Auch Henker sterben
Stationen einer großen Karriere
1890 in Wien geboren, interessiert sich Lang früh für die Kunst. Er malt und zeichnet, studiert später Archetektur in Wien, dann Kunst in Wien und München. Um seinen Wissensdurst zu stillen, reist er um die Welt. Als Künstler ist er in Paris tätig, bis ihn der Erste Weltkrieg nach Österreich zurückholt, wo er als Soldat eingezogen, später verwundet, dann ausgezeichnet wird.
Bereits in Paris fühlt er sich "ganz im Banne des Films" (Fritz Lang. Zitiert nach: Norbert Grob. Der obsessive Zeitgenosse: Ein neuer Blick auf Fritz Lang. In: Die Zeit, 08. Februar 2001). Nach dem Krieg setzt er zielstrebig seine Filmkarriere in Gang. Er wird zunächst Autor für
Joe May, später für
Erich Pommer. Seine Vorliebe für die Abenteuer-Romane von Karl May äußert sich auch in seinen ersten filmischen Gehversuchen. Sein Debüt "
Halbblut" (1919) sowie der profiliertere "
Die Spinnen" konzentrieren sich ganz auf die Jagd nach den Verbrechern rund um den Globus, "so dass für die Liebe keine Zeit bleibt" (Koebner).
Für die Arbeit an "Die Spinnen" hat Lang die Regiearbeit zu "
Das Cabinet des Dr. Caligari" aufgeben müssen. Ob die Idee für die berühmt berüchtigte Rahmenhandlung dieses Meisterwerks des expressionistischen Films von Lang stammt, gehört in den Bereich der Legende.