Interview
Matthias Schweighöfer in "Rubbeldiekatz"Universal Pictures (UPI)
"Ich fand mich sehr hübsch"
Matthias Schweighöfer in High Heels
Das ist doch nicht Matthias Schweighöfer? Oder doch? Man sieht erst auf den zweiten Blick, wer sich da ein Kleid übergestreift hat und mit geschminkten Augen vom Filmplakat blickt. In Detlev Bucks Travestiekomödie "Rubbeldiekatz" spielt Schweighöfer einen Nachwuchsschauspieler, der in eine Frauenrolle schlüpfen muss. Im Interview mit Filmreporter.de spricht der 30-Jährige über unbequeme Schuhe und die Erwartungen des Kinopublikums.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  14. Dezember 2011
RubbeldiekatzUniversal Pictures (UPI)
Ricore: Wie haben Sie sich als Frau gefallen?

Matthias Schweighöfer: Ich fand mich sehr hübsch. Ansonsten wäre der Film ganz anders dahergekommen. Ich hab ihn schon sechsmal gesehen und jedes Mal vergesse ich, dass ich das in den Frauenklamotten bin.

Ricore: Weshalb wird "Rubbeldiekatz" ein großer Erfolg?

Schweighöfer: Wie "What a Man" wird auch "Rubbeldiekatz" wegen des Humors ein Erfolg. Die Menschen haben viel Stress im Leben und können sich hier ablenken. Die Generation der 15- bis 30-jährigen beeinflusst so ein Film sogar im wahren Leben. Nach "What a Man" schickten mir zum Beispiel Klassen Poster, auf denen die Sprache des Films übernommen war. Auch bei "Rubbeldiekatz" werden sich die Kids über einige Sachen kaputtlachen. Die Szene zwischen mir und Alex in der Bar ist einfach super.

Ricore: Haben Sie sich verändert, wenn Sie in das Frauenkostüm geschlüpft sind?

Schweighöfer: Nein. Ich bin immer früh ans Set gekommen und musste in der Maske munter werden. Wenn ich abends fertig war, bin ich einfach nach Hause gegangen.

Ricore: Wissen Sie nun, wie Frauen ticken?

Schweighöfer: Nein, nicht mehr als vorher. Ich weiß jetzt, dass es wahnsinnig lange dauern kann, sich schick zu machen.
Matthias Schweighöfer in "Rubbeldiekatz"Universal Pictures (UPI)
Ricore: Ist es heute schwieriger, gute Rollen zu bekommen?

Schweighöfer: Das Kino hat sich sehr verändert. Heutzutage kann man überhaupt nicht mehr wissen, was an der Kasse funktioniert und was nicht. Dieses Jahr war es ein Auf und Ab. Das beste Beispiel ist "Eine ganz heiße Nummer". Der läuft fast nur in Bayern und schaffte trotzdem eine Million Zuschauer. In Deutschland funktionieren vor allem Komödien und großes Fantasy-Kino gut. Deswegen ist es umso merkwürdiger, dass ein Film wie "Hotel Lux", der eigentlich ganz gelungen ist, schlecht angekommen ist. Das Kino ist unberechenbarer geworden.

Ricore: Ist diese Unsicherheit am Set bemerkbar?

Schweighöfer: Zuschauergerechte Filme finde ich immer schwierig. In erster Linie sollte die Qualität zählen, dann kommen andere Überlegungen. Ich würde nie einen Film so schneiden, dass er nur im Kino funktioniert.

Ricore: Wie haben Sie zwischen den beiden Charakteren unterschieden, die Sie in "Rubbeldiekatz" spielen?

Schweighöfer: In dem Moment, wenn ich das Frauenkostüm anhatte, war das ein Selbstläufer. Da fielen mir Frauen ein, die ich kenne. Mit einer Trainerin habe ich mir die richtige Motorik antrainiert. Ich lernte, wie man sich als Frau bewegt, hinsetzt oder trinkt.
Wer schön sein will, muss leiden. Matthias Schweighöfer und Maximilian Brückner in "Rubbeldiekatz"Universal Pictures (UPI)
Ricore: Welcher Teil des weiblichen Bewegungsablaufs war die größte Herausforderung?

Schweighöfer: Das Hinsetzen oder Stehenbleiben aus dem Laufen heraus. Ein Mann läuft einfach und stellt sich hin. Eine Frau läuft viel graziler, weil der Rocksaum große Schritte verhindert. Wenn man unter den Achseln schwitzt und ein Kleid anhat, kann man sich nicht einfach an die Bar stellen.

Ricore: Gab es Probleme mit den hochhackigen Schuhen?

Schweighöfer: Bei dem Drehen habe ich mir schon mal die Knöchel rausgeknallt und die Hüfte ein bisschen verrenkt. Ich war die Belastung auf dem Vorderfuß nicht gewohnt. Meine Physiotherapeutin meinte, ich sei bescheuert. Aber was will man machen? Rauf auf die Dinger und spielen. High Heels machen wahnsinnig schöne Beine, einen irren Körper und einen schönen Arsch, weil man sofort ins Hohlkreuz geht. Trotzdem frage ich mich, warum sich Frauen diese Schuhe antun.

Ricore: Wie selbstbewusst sind Sie derzeit?

Schweighöfer: In dieser Hinsicht war 2011 nicht mein bestes Jahr. Ich habe viel gearbeitet. Ich bewege mich nicht gern auf der Höhe, weil ich weiß, dass immer auch ein Tal kommt. Es ist toll, dass sich die Leute über meine Filme freuen. Aber ich versuche bewusst, auch etwas anderes zu machen - zum Beispiel Regie zu führen.
Matthias Schweighöfer und Alexandra Maria Lara in "Rubbeldiekatz"Universal Pictures (UPI)
Ricore: Setzt man sich als Regisseur und Schauspieler der Kritik nicht noch mehr aus?

Schweighöfer: Klar. Aber nur wer viel riskiert, kann viel gewinnen. Das Feuilleton ist gut, trotzdem freue ich mich mehr über verkaufte Kinokarten. Ich habe sechs Mitarbeiter in meiner Firma, die ihre Miete zahlen müssen. Da kann ich keine Rücksicht darauf nehmen, ob ein Journalist einen schlechten Tag hat und den Film nicht mag. Ich muss den Film so gut machen, dass die Leute ins Kino gehen. Die schönen kleinen Filme kann ich mir nur leisten, wenn ich mit anderen Projekten das Geld dafür verdiene.

Ricore: Haben Sie deshalb zuletzt so viele Komödien gemacht?

Schweighöfer: Nein, das war Zufall. Es hat bei den Komödien gleichzeitig mit der Finanzierung geklappt. "Rubbeldiekatz" stand sogar vor "What a Man" fest, aber es hat gedauert, bis wir das Geld zusammen hatten.

Ricore: Spüren Sie nach dem Erfolg von "What a Man" einen größeren Druck?

Schweighöfer: Die Angst davor, dass der nächste Film schiefgeht, ist groß. Den Erfolg von "What a Man" habe ich noch gar nicht verarbeitet. Es ist aber interessant, wer plötzlich alles mit dir arbeiten will. Auf einmal kann man jeden Song haben, den man will. Ich brauche erst mal Zeit und Ruhe, um das zu verarbeiten.

Ricore: Werden Sie diese Zeit über Weihnachten finden?

Schweighöfer: Oh ja, Weihnachten wird ganz piano. Ich werde das einfach genießen mit Glühwein und Lebkuchen. Leider werde ich dieses Jahr meine Familie erst an Silvester sehen, nicht an Weihnachten.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  14. Dezember 2011

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