Warner Bros. Pictures
Guy Ritchie bei der Premiere von "Sherlock Holmes" 2010 in Berlin
Bei den Großen angekommen?
Interview: Guy Ritchies neuer Sandkasten
Kleine Independent-Filme gehören für Guy Ritchie der Vergangenheit an. Der britische Regisseur ist im Blockbuster-Kino Hollywoods angekommen. Statt mit Gangstern, Schweinen und Diamanten beschäftigt er sich nun mit dem wohl berühmtesten Detektiv der Welt. In "Sherlock Holmes: Spiel im Schatten" macht er aus dem titelgebenden Ermittler erneut einen schlagkräftigen Action-Helden. Im Interview mit Filmreporter.de spricht Ritchie über seine Anfänge als Videoclip-Regisseur und seine Erfahrungen mit dem Mainstream-Kino. Zudem verrät er, warum Sherlock Holmes-Darsteller Robert Downey Jr. seine Arbeit sehr viel leichter macht.
erschienen am 2. Januar 2012
Warner Bros.
Sherlock Holmes: Spiel im Schatten
Ricore: Warum wollten Sie auch den zweiten "Sherlock Holmes"-Teil drehen?

Guy Ritchie: Warum? Weil wir beim ersten Teil so viel Spaß hatten. Ich habe gespannt auf die Einspielergebnisse gewartet, allerdings aus anderen Gründen, als alle anderen. Denn es war beim ersten Mal solch eine läuternde und angenehme Erfahrung, dass wir sie einfach nochmal erleben wollten.

Ricore: Wie war die Zusammenarbeit mit Komponist Hans Zimmer?

Ritchie: Hans und ich mögen dieselbe Musik und haben dieselben musikalischen Einflüsse. Wir sind beide große Fans von Zigeunermusik. Wir wollten bereits beim ersten Film Zigeunermusik verwenden, aber dann hat es sich beim zweiten Teil wie von selbst ergeben. Musik spielt bei diesen Filmen eine wichtige Rolle und Hans und ich haben viele feuchtfröhliche Abende damit verbracht, uns darüber zu unterhalten.

Ricore: Aus welchen Gründen haben Sie Noomi Rapace für den Film engagiert?

Ritchie: Ich denke, wir alle haben etwa zur selben Zeit "Verblendung" gesehen und waren uns einig, als es um Noomi ging. Nach einem kurzen Treffen mit ihr haben sich unsere Vorstellungen bestätigt, so dass wir sie von da an für den Film haben wollten. Sie hat alle Kriterien erfüllt und hat die Sache ziemlich ernst genommen. Das gilt für alle Schauspieler, keiner von ihnen kam zu spät - oder nur ganz selten. Noomi brachte alle nötigen Voraussetzungen mit, so dass es keine besonders schwere Entscheidung war.
Jean-François Martin/Ricore Text
Guy Ritchie (Cannes 2008)
Ricore: Sollte der Film ein Kracher werden?

Ritchie: Ja, es sollte Spaß machen. Es ist auch harte Arbeit, aber ich will nicht, dass der Spaß dabei verloren geht. Vieles im Film ist sehr spontan und ungezwungen, vor allem der Humor. Eine Menge Dinge entstehen auf organische Weise. Manche Sachen sind vorgegeben, doch wir versuchen, sie zu überbieten. Manchmal klappt das, manchmal nicht. Allein der Versuch wirkt für alle stimulierend.

Ricore: Wie hat sich Ihre Herangehensweise beim zweiten Teil geändert?

Ritchie: Ich habe einst damit angefangen, Musikvideos für 250 Pfund zu machen und habe mich schrittweise hochgearbeitet. Inzwischen sind die vielen Nullen also nicht mehr so furchteinflößend. Das beängstigendste, was ich je machen musste, war ein Musikvideo für 250 Pfund. Ich habe Filme gemacht, bei denen ich mit fast jedem ringen musste. Bei den beiden "Sherlock Holmes"-Filmen war das nicht der Fall. Bei mir lief es anders, als bei den meisten Independent-Regisseuren. Normalerweise wartet man darauf, für die Großen zu arbeiten und wird dann niedergemacht, sobald es soweit ist. Bei mir war es genau andersherum. Ich spiele mit mehr Freunden nun in einem größeren Sandkasten. Diese Entwicklung habe ich genossen. Ich bin nicht sicher, ob der Druck nun größer ist, als bei meinem 250 Pfund-Musikvideo. Man versucht, sein Bestes zu geben und die Brücken so elegant und kreativ als möglich zu überqueren. Das ist das Einzige, was mich täglich beschäftigt.

Ricore: Waren Sie besorgt, weil Hauptdarsteller Robert Downey Jr. und Produzentin Susan Levin Downey ein Paar sind?

Ritchie: Nein, die Filme erfordern eine Menge harter Arbeit und Susan und Robert sind zwei der am härtesten arbeitenden Menschen, die ich kenne. Robert ist seine Arbeit wirklich wichtig. Er ist nie spät dran, sondern immer pünktlich. Das macht meine Arbeit sehr viel einfacher. Und Susan ist sein größter Fan. Die beiden arbeiten großartig zusammen.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
erschienen am 2. Januar 2012
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Guy Ritchie wird 1968 im englischen Hatfield geboren. Er leidet unter Dyslexie und besucht eine Schule, die auf diese Störung spezialisiert ist. Mit 15 wird er wegen Drogenmissbauchs hinausgeworfen. Nachdem er sich 1995 mit dem Kurzfilm "The Hard Case" erstmals als Regisseur versucht, folgt 1998 sein Langfilmdebüt "Bube, Dame, König, Gras". Das Independent-Werk wird von Kritikern gelobt und legt den Grundstein für Ritchies späteren Erfolg. Madonna. Die beiden bekommen einen Sohn und adoptieren..
Der gerissenste und charmanteste Detektiv aller Zeiten ist zurück: Mit seinem Assistenten Dr. Watson (Jude Law) eröffnet Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) die Jagd auf seinen Erzfeind, Professor Moriarty (Jared Harris). Unterstützung erhalten sie von der Schwedin Noomi Rapace, die in ihrem ersten englischsprachigen Film zu sehen ist. Ihre Reise führt sie quer durch Europa, dabei verpassen sie immer wieder den Professor um Haaresbreite. Erstmals scheint Holmes einen Gegner gefunden zu haben,..
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