360 - Jede Begegnung hat Folgen - 2011 - FILMREPORTER.de
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© Prokino Filmverleih

Film: 360 - Jede Begegnung hat Folgen

Originaltitel360
GenreDrama
Land & Jahr Großbritannien/Österreich/Frankreich 2011
Kinostart    16.08.2012 (Prokino Filmverleih)
FSK & Länge ab 12 Jahren • 110 min.
RegieFernando Meirelles
DarstellerAnthony Hopkins, Ben Foster, Dinara Drukarova, Gabriela Marcinkova, Jamel Debbouze, Johannes Krisch
Links IMDB

Inhalt

Fernando Meirelles' "360" beginnt mit einer Episode über die Prostituierte Mirkha (Lucia Siposová), die sich vom schmierigen Zuhälter Rocco (Johannes Krisch) für das Internet ablichten lässt. Auf die Fotos stößt schon bald der verheiratete Michael Daly (Jude Law), der sich in Wien mit ihr treffen will. Bevor es dazu kommt, begegnet der britische Geschäftsmann einem deutschen Kollegen (Moritz Bleibtreu) und überlegt es sich anders. Währenddessen beendet Michaels Frau Rose (Rachel Weisz) in London ihre Affäre mit dem brasilianischen Fotografen Rui (Juliano Cazarré).

Dessen Freundin Laura (Maria Flor) hat wiederum herausgefunden, dass Rui sie mit Rose betrügt. Enttäuscht packt sie ihre Koffer und fliegt in die brasilianische Heimat zurück. Im Flugzeug lernt sie einen älteren Mann (Anthony Hopkins) kennen, dessen Tochter vor Jahren spurlos verschwunden ist. Er befürchtet, dass sie entführt wurde und längst tot ist. Was beide nicht ahnen: auch Laura gerät schon bald in tödliche Gefahr...

Kritik

Dank dem hervorragenden "City of God" wurde Fernando Meirelles über Nacht zum international gefeierten Regisseur. Im Gegensatz zur entfesselten Inszenierung seines furiosen Dramas aus den Favelas von Rio de Janeiro, schaltet er in seinem den Erdball umspannenden Episoden-Film "360" einen Gang zurück. Mit ruhiger Hand realisiert er mehrere kleine Geschichten aus Wien, London, Paris und Denver, die sich immer mal wieder kurz überschneiden.

Für das Drehbuch ließ sich Autor Peter Morgan ("Frost/Nixon") von Arthur Schnitzlers vielfach aufgeführtem Bühnenstück "Reigen" inspirieren. Allerdings liegen die wesentlichen inhaltlichen Gemeinsamkeiten nur darin, dass beide Werke mit einer Prostituierten in Wien beginnen und die letzte Szene einen Bogen zum Anfang schlägt. Während das 1903 publizierte Drama Schnitzlers die gesellschaftliche Moral des ausgehenden 19. Jahrhunderts porträtiert, ist die Handlung von "360" Anfang des 21. Jahrhunderts angesiedelt. Die gesellschaftliche Moral spielt in Meirelles' Film keine Rolle, stattdessen konzentriert sich sein Werk auf die Konflikte innerhalb der Liebesbeziehungen sowie die weltweiten Auswirkungen, die bereits von kleinsten Handlungen ausgehen können.

Trotz hervorragender Darsteller wie Anthony Hopkins und Rachel Weisz sowie der stilsicheren Inszenierung Meirelles' erreicht der Film leider nicht die Tiefe vergleichbarer Episodenfilme wie Robert Altmans "Short Cuts", Paul Thomas Andersons "Magnolia" oder Alejandro González Inárritus "Amores perros". Zudem wirkt Morgans Drehbuch allzu sehr darum bemüht, die Handlungsstränge zu einem versöhnlichen Abschluss zu bringen. Das zeigt sich insbesondere beim Ehekonflikt von Jude Laws Charakter, der sich am Ende einfach in Wohlgefallen auflöst, ohne dass der Zuschauer sehen kann, wie es überhaupt dazu kommt. Auch das Motiv des Schmetterling-Effekts, demzufolge bereits der Flügelschlag eines Schmetterlings ausreiche, um am anderen Ende der Welt einen Orkan auszulösen, hat Inárritu bereits in "Babel" wesentlich wirkungsvoller eingeflochten. So hat Fernando Meirelles mit "360" einen sehenswerten, jedoch leider keinen bahnbrechenden Film wie "City of God" realisiert.

360 - Jede Begegnung hat Folgen

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