Frenetic Film
Der große Kater

Der große Kater

Originaltitel
Der große Kater
Alternativ
Der grosse Kater
Regie
Wolfgang Panzer
Darsteller
Bruno Ganz, Ulrich Tukur, Marie Bäumer, Christiane Paul, Edgar Selge, Justus von Dohnányi
Kinostart:
Deutschland, am 28.10.2010 bei Central Film
Kinostart:
Schweiz, am 21.01.2010 bei Frenetic Films
Genre
Drama
Land
Deutschland, Schweiz
Jahr
2009
FSK
ab 12 Jahren
Länge
88 min.
IMDB
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
5,0 (Filmreporter)
5,0 (1 User)
Einfallslose Politsatire mit gutem Hauptdarsteller
Der Schweizer Bundespräsident (Bruno Ganz) wird nicht umsonst "der große Kater" genannt. Wie eine Katze scheint auch er neun Leben zu haben. Politische Leben wohlgemerkt, denn schon so manche berufliche Krise hat es nicht geschafft, ihn weiter zu tangieren. Doch die aktuellen Turbulenzen haben es in sich. Seine Umfragewerte sind rapide gesunken, die Kritik aus den eigenen Reihen wird immer lauter, eine Meuterei scheint sich vorzubereiten. Da scheint der Staatsbesuch des spanischen Königshauses genau der richtige Anlass für eine Imagekampagne. So werden keine Kosten und Mühen gespart, um ein Massenbeschwichtigendes Medienereignis zu inszenieren.

Mehr noch als das politische Machtkalkül beschäftigen Kater persönliche Probleme. Sein Sohn ist sterbenskrank und seine Ehe mit Marie (Marie Bäumer) ist am Tiefpunkt angelangt. Als durch eine Intrige seines Kollegen und Freundes Dr. Stolzer (Ulrich Tukur) die spanische Königin ausgerechnet in der Klinik ihr Mitleid bekunden soll, wo ihr Sohn stationär behandelt wird, glaubt Marie an einen weiteren politischen Schachzug ihres Mannes. Empört darüber, sorgt sie bei einem Festessen für einen handfesten Skandal und setzt den Politiker damit unter noch größeren Druck.
"Der große Kater" hat sich hohe Ziele gesteckt, hat diese aber weit verfehlt. Er möchte Politsatire sein, das Abgründige in der menschlichen Natur ergründen, Psychologie betreiben, Kirchenkritik üben, Gefühlskino sein und eine Liebesgeschichte erzählen. Dabei scheitert der Film vor allem an der Banalisierung seines Stoffes sowie an der Ideenlosigkeit der filmischen Umsetzung. So findet Regisseur Wolfgang Panzer zu keinen orginelleren Bildern, als den alternden Politiker als Stammgast eines gewissen Etablissements zu outen, der überdies auch noch seine kriselnde Frau in diese Institution mitnimmt, um mit hier seine Triebe auszuleben.

Der Mensch ist nicht das, was er vorgibt zu sein, unterhalb des Scheins gebärdet sich das wahre Sein, das durch gesellschaftliche Normen, Werte und Gesetze keine Erfüllung findet, so der Aussage dieser Bilder. Von einer ähnlichen Plattheit sind auch die Rückblenden geprägt, die den Film regelmäßig durchziehen. So wird Kater als Kind Zeuge, wie sein Vater einen Augenblick seines animalischen Wesens nicht Herr sein kann und seinen geliebten Kater gegen die Wand schmettert. Das Tier überlebt den plötzlichen Wutanfall des Menschen zwar - eine Metapher für die neun Leben des Politikers und Menschen Kater - doch das Ereignis hinterlässt tiefe Spuren in Psyche und Weltanschauung des Mannes. Überzeichnet wirkt auch die Kritik an die Kirche und das politische System, die ausnahmslos zu einem institutionalisierten Ausdruck von Egoismus und Trieben reduziert werden, ohne ihrer Darstellung auch nur einen Hauch an Nuancierung mitzugeben.

Einziger Lichtblick des dramaturgisch uneinheitlichen Films ist Bruno Ganz. Seine Darstellung des Titelhelden bringt Tiefe und menschliche Wärme in die Figur. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die eine oder andere Szene rührend geraten und nicht in rührseligem Kitsch versackt ist. Die Darstellung der andern Charaktere, von Ulrich Tukur und Marie Bäumer etwa, wären ebenso erwähnenswert, wären ihre Figuren vom schwachen Drehbuch und der ideenlosen Inszenierung nicht so holzschnittartig angelegt.
Willy Flemmer, Filmreporter.de
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