Emily Blunt bei den Screen Actors Guild Awards 2012
Lester Cohen
Emily Blunt bei den Screen Actors Guild Awards 2012
Verzwickte Comedy
Interview: Emily Blunt weint gerne
Im wahren Leben ist Emily Blunt mit ihrem Traummann vor den Traualtar getreten. In der Komödie "Fast verheiratet" kommt der geplanten Ehe mit Kodarsteller Jason Segel immer wieder etwas dazwischen. Im Interview mit Filmreporter.de spricht die britische Schauspielerin über ihr Leben als verheiratete Frau und die Schwierigkeit, eine komische Rolle zu spielen.
Von  Carlos Corbelle/Filmreporter.de,  7. Mai 2021
Fast verheiratet (Kinoplakat)
Universal Pictures
Fast verheiratet (Kinoplakat)
Abseits des Mainstreams
Ricore: Sie waren dieses Jahr in zwei etwas anderen Liebesfilmen zu sehen, "Fast verheiratet" und "Lachsfischen im Jemen". Wie wichtig ist es Ihnen, außerhalb von Mainstream-Projekten zu spielen.

Emily Blunt: Die Prämisse einer romantischen Komödie ist eigentlich immer sehr simpel. Also kommt es sehr darauf an, was man aus dieser Prämisse macht, damit es realistisch wird. Bei den romantischen Komödien, die ich mag, etwa "Harry und Sally", kommt es immer auf die Chemie der Hauptfiguren an. In meinen beiden Liebesfilmen hatte ich großes Glück mit meinen Kodarstellern.

Ricore: Wie viel Einfluss hatten Sie auf die Entwicklung Ihrer Figur in "Fast verheiratet"?

Blunt: Nicholas Stoller und Jason Segel haben viel mit uns anderen Teammitgliedern zusammengearbeitet. Das liegt wohl an den zahlreichen Improvisationen. Sie wollen, dass der Schauspieler seine eigene Sicht auf die Figur beiträgt. Als ich besetzt wurde, baten sie mich zu einem Autorengespräch und haben das Drehbuch anschließend nach meinen Anmerkungen nochmal bearbeitet. Auf diese Weise zu arbeiten, ist sehr persönlich.

Ricore: Wie lang hat Ihre Verlobung mit John Krasinski gedauert bevor Sie geheiratet haben?

Blunt: Ein Jahr, nicht fünf wie bei diesen Idioten im Film [lacht].

Ricore: Ist Ihnen das altmodische Modell von Verlobung und Heirat wichtig?

Blunt: Natürlich, sonst hätte ich es nicht getan. Ich bin eine große Romantikerin, was solche Sachen angeht. Das liegt aber auch daran, dass ich den richtigen Mann dafür gefunden habe. Ich glaube, es ist eine wundervolle Sache, öffentlich zu verkünden, dass man sein Leben mit jemandem teilen will. Ich mag es, 'Ehemann' zu sagen.
"Fast verheiratet": Emily Blunt und Jason Segel
Universal Pictures
"Fast verheiratet": Emily Blunt und Jason Segel
Fernbeziehung
Ricore: Sie und Ihr Ehemann müssen zwei Karrieren unter einen Hut bringen.

Blunt: Ja, aber das wäre bei einem normalen Job viel schwieriger. Ich habe zwischendurch lange frei. John und ich versuchen, so viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen.

Ricore: Also gab es da noch keine Probleme?

Blunt: Es gab einen längeren Zeitraum, der schwierig war. Da habe ich in London gearbeitet und er in Los Angeles. Das ist ein langer Flug und keiner von uns hat frei bekommen.

Ricore: Im Film geht es auch um das Problem, dass die Routine einer Beziehung schadet. Haben Sie dagegen ein Rezept?

Blunt: Ich bin ein großer Befürworter von Spontaneität. Wir versuchen, das Leben Moment für Moment zu leben. In diesem Job macht man ohnehin ständig neue Erfahrungen und trifft neue Leute. Dein Leben befindet sich also ohnehin im ständigen Wandel. Ich fühle mich nicht so, als hätten wir ein sehr normales Leben.

Ricore: Gibt es Unterschiede zwischen der Arbeit in Los Angeles und in Europa?

Blunt: Es gibt ein paar kleine Unterschiede, ja. In England gibt es eine flachere Hierarchie am Set und weniger starke Egos. Die Branche ist auch deutlich kleiner, also kennt man viele, wenn man zum Dreh erscheint. Gleichzeitig liebe ich die Effizienz, mit der an einer US-Produktion gearbeitet wird. Egal, wo ich arbeite, geht es um die Gemeinschaft und darum, gemeinsam eine Geschichte zu erzählen.

Ricore: Produzent Judd Apatow arbeitet immer wieder mit den gleichen Leuten. Wie sind Sie mit dieser bestehenden Gemeinschaft zurechtgekommen?

Blunt: Sie sind sehr offen. Sie erwarten eigentlich nur von dir, dass du Lust darauf hast, dich an die Sache zu wagen. Um improvisieren zu können, muss man sich wohlfühlen. Jason Segel ist ein Profi darin. Judd war ein paar Mal da, aber er hat Jason und Nicholas Stoller vertraut.
Emily Blunt in "Fast verheiratet"
Universal Pictures
Emily Blunt in "Fast verheiratet"
Nicht immer die Spaßverderberin spielen
Ricore: Warum ist es so schwer, witzige Rollen für Frauen zu finden?

Blunt: Vielleicht hält sich immer noch dieser Mythos, dass Frauen nicht witzig sein können. Dieses Vorurteil hat "Brautalarm" ziemlich eingestampft. Außerdem sind weibliche Figuren oft dazu da, der männlichen Hauptrolle zuzuspielen. Das ist nicht nur in Komödien so, sondern auch in anderen Genres. Oft dient man nur dazu, eine Funktion bei der Entwicklung der Hauptfigur zu erfüllen, statt einen eigenständigen Charakter darzustellen. Deshalb bin ich bei der Rollenauswahl sehr vorsichtig. Die Frau spielt oft einfach die Freundin, die Spaßverderberin, während der Mann die Welt rettet. Jason schreibt seine Figuren nicht aufgrund ihres Geschlechts, sondern aufgrund ihrer Persönlichkeit. Er schreibt die Figuren so, als würde er sie selbst spielen.

Ricore: Wer ist Ihre Lieblings-Komikerin?

Blunt: Ich bin ein Riesenfan von Kristen Wiig. Sie ist hochtalentiert und kann so ziemlich alles machen.

Ricore: Ist es schwieriger, komische Rollen zu spielen als ernste Rollen?

Blunt: In gewisser Hinsicht, ja. Humor ist sehr subjektiv und stark vom Geschmack des Einzelnen abhängig. Comedy ist sehr verzwickt, weil Timing extrem wichtig ist. Bei dramatischen Rollen ist man etwas freier, Comedy hat mehr technische Voraussetzungen.

Ricore: Worin liegen die Unterschiede zwischen amerikanischem und britischem Humor?

Blunt: Briten sind trockener. Britischer Humor dreht sich normalerweise darum, sich über sich selbst lustig zu machen. Amerikanischer Humor ist etwas breiter, da macht man sich auch mehr über andere lustig. Die Pointe hat in Amerika auch einen höheren Stellenwert, während die Briten eher Geschichten erzählen.

Ricore: Warum werden Komödien oft weniger von der Kritik geschätzt, gerade bei Filmpreisen?

Blunt: Das weiß ich nicht. Meine Theorie ist, dass die Leute gar nicht wissen, wie schwer es ist, gute Komödien zu machen. Und es ist ungewöhnlicher zu weinen, als zu lachen. Man lacht vielleicht 20 Mal am Tag, Weinen ist viel seltener. Wenn dich jemand bewegt, ist das etwas Ungewöhnliches. Diese Emotionen sind schwerer zu erzeugen. Vielleicht liegt es daran.
Reizendes Paar: Emily Blunt und Jason Segel in "Fast verheiratet"
Universal Pictures
Reizendes Paar: Emily Blunt und Jason Segel in "Fast verheiratet"
Rollenwahl: Einigermaßen komplexe Filme
Ricore: Was erwarten Sie von einem Film?

Blunt: Ein toller Film muss emotional einigermaßen komplex sein. Wenn man nicht genau weiß, was mit einem passiert, aber irgendetwas einen Eindruck auf dich gemacht hat. Im Flugzeug hierher habe ich zum ersten Mal seit langem "Jenseits von Afrika" gesehen. Ich habe geweint und geweint und geweint. An diesen Moment muss ich heute immer noch denken. Nach diesem Gefühl sucht man, wenn man einen Film guckt. Es ist schwer, solch einen Film zu machen. Wir haben so viel gesehen und viele Filme bedienen sich bei bekannten Vorbildern.

Ricore: Machen Sie gerne Independent-Filme?

Blunt: Oh ja, sehr gerne. Ich habe gerade zwei kleine Filme gedreht. Einer davon hat nur 80.000 Dollar gekostet. Er heißt "Your Sister's Sister" und ist komplett improvisiert. Die Dreharbeiten haben nur zwölf Tage gedauert.

Ricore: Demnächst kommen auch ein paar actionreichere Filme mit Ihnen raus.

Blunt: "Looper" kommt im Herbst. Das dürfte der coolste Film sein, in dem ich mitgespielt habe.

Ricore: Von "Young Victoria" zu "Fast verheiratet" ist es ein großer Sprung. Gibt es noch irgendeine Richtung, in die Sie gerne gehen würden?

Blunt: Ich wollte immer einen großen Actionfilm machen. Das werde ich diesen Herbst mit Tom Cruise tun.

Ricore: Sie haben mit vielen interessanten Kodarstellern gearbeitet. Mit wem hat es am meisten Spaß gemacht?

Blunt: Ich bin gut mit Matt Damon befreundet. Er hat gemeinsam mit meinem Mann ein Drehbuch geschrieben. Da haben wir uns mit Matts Familie angefreundet. Mit Ewan McGregor zu arbeiten, war auch toll.
Emily Blunt
Capelight Pictures
Emily Blunt
Drehbücher mit Originalität
Ricore: Wie wichtig sind Probenphasen?

Blunt: Bei "Fast verheiratet" hatten wir eine. Das kann sehr hilfreich sein. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie eine Szene sein kann. Außerdem lernt man sich besser kennen. Naja, Jason kannte ich schon.

Ricore: Wonach suchen Sie Ihre Filme aus - eher aufgrund der Figur oder aufgrund der Story?

Blunt: Normalerweise achte ich mehr auf die Figur. Ich mag Drehbücher mit einer klaren Sichtweise und einer gewissen Originalität. Meistens erfolgt die Auswahl instinktiv. Ich weiß es normalerweise nach den ersten 30 Seiten.

Ricore: Was machen Sie abseits der Kamera?

Blunt: Ich habe ein Leben [lacht]. Ich reise, koche, treffe Freunde und lese unglaublich viel.

Ricore: Was ist Ihr bestes Gericht?

Blunt: Ich mache eine fantastische Lasagne. Und mein Rezept für Grillhähnchen ist auch nicht zu verachten. Ich liebe es, zu kochen.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
Von  Carlos Corbelle/Filmreporter.de,  7. Mai 2021
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