Interview
Max von der Groeben in "Doktorspiele"20th Century Fox
Nicht händeringend Teenie-Stoff gesucht...
Ricore Text: Warum haben Sie sich für einen weiteren Teenie-Film entschieden?

Marco Petry: Ich habe nicht händeringend nach einem Teenie-Stoff gesucht, obwohl ich gerne mit Jugendlichen drehe. Der Produzent schlug mir die Adaption des Romans vor, dessen Grundidee ich sehr überzeugend und filmtauglich fand. Trotzdem mussten mein Koautor und ich uns den Zugang erst erarbeiten . Wir sind an der Altersgruppe nicht mehr so nah dran wie bei der Vorbereitung von "Schule" und mussten zum Schreiben erst wieder in die Haut eines 17-Jährigen schlüpfen.

Ricore Text: Bestand die Versuchung, "Fack ju Göhte" zu kopieren?

Petry: Nein, denn als wir im Sommer 2013 drehten, kannte noch keiner das Projekt. Im Vordergrund stand für uns, dass die Sprache authentisch wirkt und sich die Schauspieler in den Szenen wohl fühlen. Wenn man das Thema Pubertät zotenreich und mit lautem Humor als Teenie-Komödie inszeniert, darf dies nicht als Altherrenwitz daherkommen. Es muss aus der Sicht der Jugendlichen erzählt werden und Zoten dürfen nicht zum Selbstzweck verkommen. Ich glaube, dass uns vor allem das typische Verstocktsein von Jungs in dem Alter ganz gut geglückt ist.

Ricore Text: Kennen Sie das von sich?

Petry: Ich kann diese Unsicherheit bei der Annäherung an ein hübsches Mädchen gut nachvollziehen. Ich war selbst oft nervös, was ich gegenüber meinen Kumpels aber nie zugegeben hätte. Da dominierte das Machohafte.
Doktorspiele20th Century Fox
Extrembeispiel eines Pornokonsumenten
Ricore Text: Haben Sie auch Pornos geschaut?

Petry: In meiner Jugend gab es nur diese seltenen, ausgeleierten VHS-Kassetten aus irgendwelchen Videotheken-Restbeständen. Das ist heute ganz anders. Pornos sind im Netz allgegenwärtig und jederzeit abrufbar. Mit der Figur "Harry" wollten wir deshalb auch ein Extrembeispiel eines "jungen Konsumenten" porträtieren. Er ist beinahe süchtig und hat Verhaltensweisen aus den Pornos in sein eigenes Leben übernommen.

Ricore Text: Die Pornos nehmen oft den Platz der Aufklärung ein, auch Andis Vater ist dabei alles andere als aktiv?

Petry: Das kreidet ihm die Mutter auch an, aber ich finde ihn cool. Er geht entspannt mit Andis Pubertät um, weil er weiß, dass sein Sohn ein Guter ist und er ihm vertraut. Erst, als er dieses Internet-Video von Andis Sprung in den Pool gesehen hat, macht er ihm eine kleine Ansage. Ich glaube aber, großartig beeinflussen kann man als Elternteil seine Kinder in dieser Phase ohnehin nicht. Schließlich ist diese Zeit genau dafür da: um sich von den Eltern abzugrenzen und eigene Grenzen zu finden.

Ricore Text: Waren Sie sich der Brisanz bewusst, dass Coming Out eines Fußballers zu integrieren?

Petry: Diesen Twist aus dem Roman haben wir übernommen, weil er Andis Pimmel-Trauma so schön auf die Spitze treibt. Andi ist so besessen von der Vorstellung, dass er gegen Bobby und dessen Riesenpenis keine Chance hat, dass er vergisst, genauer hinzuschauen. Er sieht nur das Image von Bobby: gut aussehend, Fußball-Gott, wie ein amerikanischer Oberschulheld. Mit diesem Image wollten wir spielen. Das gemeinsame Fußballspiel ist für die Handlung eher nebensächlich.

Ricore Text: Fanden Sie auch sonst Ihr Vorbild in Hollywood?

Petry: "American Pie - wie ein heißer Apfelkuchen" ist mittlerweile ein Klassiker der Teenie-Komödie. Wir wollten einen Film machen, der in derselben Liga spielt.

Ricore Text: Wie geht es für Sie weiter?

Petry: Ich arbeite zur Zeit an zwei Stoffen: eine Romanadaption und ein eigener Stoff, der sich mit den Lebensentscheidungen von Endzwanzigern beschäftigt.

Ricore Text: Danke für das Interview.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  25. August 2014

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