Willenbrock
Willenbrock

Willenbrock

Originaltitel
Willenbrock
Genre
Drama
Land /Jahr
Deutschland 2005
 
108 min, ab 12 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
Kinostart
17.03.2005 ( Kino Deutschland | Kino Schweiz ) bei DCM (Delphi Filmverleih)
Regie
Darsteller
Links
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
7,0 (Filmreporter)
8,0 (3 User)
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenMeinungenMeinungGalerieInterviewDVDs
Gebrauchtwagenhändler Bernd Willenbrock (Axel Prahl) hat es im Leben zu etwas gebracht. Sein Geschäft läuft dank seiner osteuropäischen Stammkundschaft sehr gut. Er hat eine schöne Frau, eine attraktive Geliebte, ein Haus am Rande Berlins und ein Landhaus in Vorpommern. Seine Seitensprünge scheinen der Ehe nicht zu schaden. Ganz im Gegenteil. Sie veranlassen Willenbrock, sich jeweils neu von den Reizen und Vorzügen seiner Frau zu überzeugen. Doch die oberflächig betrachtet heile Welt gerät unvermittelt außer Kontrolle. Eines Nachts werden Willenbrock und seine Frau Susanne (Inka Friedrich) in ihrem Landhaus von zwei russischen Einbrechern überfallen und brutal behandelt. Die Eheleute können fliehen und schon am nächsten Morgen werden die beiden Diebe von der Polizei festgenommen. Doch trotz des glücklichen Ausgangs gelingt es dem Autohändler nicht die Ordnung in seinem Leben wieder herzustellen. Nichts ist mehr wie es war, zumal die Einbrecher bald wieder auf freiem Fuße sind. Der nachfolgende Ausbau des Landhauses zur elektronisch gesicherten Festung vermag ihm die gewohnte Sicherheit nicht zurückzugeben. Aus dem zupackenden Willenbrock wird immer mehr ein paranoides Nervenbündel. Erst das kleine Präsent seines besten Kunden scheint die tief sitzende Unsicherheit lindern zu können: eine Pistole ist fortan Willenbrocks bester Gefährte.
Geboren wird Regisseur Andreas Dresen in der DDR. Auch seine Ausbildung beginnt noch zu DEFA-Zeiten. Er hat in seinen Fernseh- und Kinofilmen von all dem erzählt, was der Wandel zur westlichen Gesellschaftsform mit den Menschen anstellt. Dabei richtet er sein Augenmerk nicht auf große, politische Dimensionen, vielmehr interessiert ihn, was die Wende bei den einzelnen Menschen bewirkt hat. Bescheiden, alltäglich und sympathisch wirken seine Protagonisten. In seinen Filmen "Nachtgestalten" und "Halbe Treppe" zeichnet Dresen ein realistisches, vor allem aber ein liebenswertes und humorvolles Bild seiner Figuren. Durch seinen prägnanten und lebensnahen Blick haucht er ihnen eine gewisse Einzigartigkeit ein, erfasst soziale und poetische Momente und verweigert sich dem formalen Perfektionismus. Seine Alltagshelden bewegen sich stets am Rande der persönlichen Katastrophe.

So auch Bernd Willenbrock. Er weiß das Leben zu nehmen, hat die volle Kontrolle in jeder Lebenslage - bis eben alles aus den Fugen gerät. Das narzisstische Gefühl der Unverletzbarkeit wird abgelöst durch paranoide Angstzustände. "Wir beschäftigen uns nur mit dem Gegenwärtigen, wir glauben uns könne nichts passieren, und plötzlich drängen Kräfte in unser Leben, mit denen wir nicht zurechtkommen", umreißt Dresen seine Thematik. Alle Sicherheiten des zivilisierten Lebens entgleiten Willenbrock zunächst eher unmerklich aber mit dem Fortgang der Handlung immer unübersehbarer. Dresens Filme zielen dennoch nicht auf eine düstere Sozialdramatik ab. Seine Stärke ist der genaue Blick auf die Menschen. Und es funktioniert hervorragend. Schnell identifiziert sich der Zuschauer mit Willenbrock, mit seinen Seitensprüngen, seiner Überheblichkeit und seinen Angstzuständen.
Birgit Deiterding/Filmreporter.de
Galerie: Willenbrock
Geboren wird Regisseur Andreas Dresen in der DDR. Auch seine Ausbildung beginnt noch zu DEFA-Zeiten. Er hat in seinen Fernseh- und Kinofilmen von all dem erzählt, was der Wandel...
Regisseur Andreas Dresen
Perfektionist Andreas Dresen
Nach den Erfolgen von "Nachtgestalten" und "Halbe Treppe" verfilmt Andreas Dresen einen Roman von Christoph Hein. Mit wirklichkeitsnahem und gesellschaftskritischem Blick schildert der ostdeutsche Regisseur den Niedergang eines wohlhabenden Autohändlers. Ricore Medien traf Andreas Dresen einen Tag nach der Weltpremiere von "Willenbrock" auf der Berlinale 2005. Der ambitionierte Filmemacher gab uns einen Einblick in sein Schaffen, seine allgemeine Lebenseinstellung und seiner dezidierten Meinung zum roten Teppich.
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenMeinungenMeinungGalerieInterviewDVDs
2021