Jean-François Martin/Ricore Text
Joaquin Phoenix
Hollywood-Nachwuchs mit Ambitionen
Starfeature: Joaquin Phoenix ist angekommen
Es ist sein Blick. Man kommt nicht umhin, ihm gebannt zuzuschauen. Joaquin Phoenix gibt beim Dreh alles - sein Spiel ist intensiv. Lange Zeit stand der Schauspieler im Schatten seines berühmten, früh verstorbenen Bruders River. Doch Joaquin hat sich im harten Filmgeschäft etabliert.
erschienen am 14. 06. 2008
Jean-François Martin/Ricore Text
Joaquin Phoenix
Seine Geschwister haben so klingende Namen wie Rain, River, Liberty und Summer. Also entschließt sich der kleine Joaquin im Alter von vier Jahren beim Laubfegen kurzerhand den Namen Leaf anzunehmen, zu deutsch Blatt. Namensänderungen sind in der Hippie-Familie Phoenix, vormals Bottom, normal. Dennoch kehrt Joaquin später zu seinem Geburtsnamen zurück. Die Frauen, mit denen er ausgeht, zwingt er nicht, seinen schwierigen Namen auszusprechen, die Anrede "Kitten" (Kätzchen) findet er ganz in Ordnung. Bereits im Kindesalter beginnt er mit der Schauspielerei. Da die Rollen jedoch bald nicht mehr seinen Geschmack treffen, entschließt er sich, eine Auszeit zu nehmen und mit seinem Vater durch Mexiko zu reisen.
Tobis
Hotel Ruanda
Wenig später ereilt die Familie ein harter Schicksalsschlag. 1993 bricht River nach einer Überdosis Heroin und Kokain im legendären Nachtclub Viper Room am Sunset Boulevard vor den Augen seines Bruders zusammen. Joaquins Herzzerreißender Notruf wird tagelang in den nationalen TV- und Radiosendern ausgestrahlt. Diese Verletzung seiner Privatsphäre beschert dem Teenager eine zweifelhafte Berühmtheit; noch Jahre später wird er genötigt, zu dem Schicksalsschlag Stellung zu nehmen. River ("My Private Idaho") stirbt kurz nach dem Zusammenbruch im zarten Alter von 23 Jahren. Joaquin kann den Schock lange Zeit nicht verarbeiten. Doch er lernt, mit dem Verlust zu leben. Er nimmt die Schauspielerei wieder auf und macht in diversen Filmprojekten auf sich aufmerksam. Ein erster Höhepunkt ist die Oscarnominierung in der Kategorie "Bester männlicher Nebendarsteller" für die Rolle des Commodus in "Gladiator". Er stellt fortan seine Vielseitigkeit unter Beweis. Egal ob in "Quills - Macht der Besessenheit", "It's all about love" oder auch "Hotel Ruanda" - der junge Phoenix überzeugt Publikum und Kritik gleichermaßen.
20th Century Fox
Walk The Line - Special Edition
Der strenge Veganer gibt für eine Rolle alles, er bereitet sich intensiv vor und ist äußerst selbstkritisch. Joaquin nimmt für eine Rolle zu, lässt sich piercen, isst nichts mehr oder bringt sich am Set in die richtige Stimmung, indem er seinen Kopf gegen eine Wand schlägt - alles im Auftrag der Kunst. Für ihn sind dies Hilfsmittel, sich in eine Rolle einzufühlen. Joaquin ist Vollblutschauspieler. Seine Leidenschaft überträgt sich durch sein intensives Spiel auf die Leinwand und lässt den Zuschauer an seiner facettenreichen Darstellung teilhaben. Er gibt alles für eine Rolle, dennoch würde der Sprecher der Tierschutzorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) niemals Leder anziehen, da muss schon mal ein Fuß-Double für Lederschuhe oder ein synthetisches Lederdress her. So auch in "Walk the Line", in dem er den wesentlich größeren Johnny Cash portraitiert. Natürlich singt er selbst, etwas anderes ist von dem ehrgeizigen Puertoricaner nicht zu erwarten. Weder seine geringe Körpergröße, noch die Narbe auf seiner Oberlippe, die er seit Geburt hat, mindern die Überzeugungskraft des Cash-Mimen.
Jean-François Martin/Ricore Text
Robert Duvall und Joaquin Phoenix in Cannes 2007
Über sein Privatleben spricht der Beatles- und David-Bowie-Fan nicht gern. Daher weiß man wenig über Hobbys und die Frauen in seinem Leben. Bekannt ist, dass er drei Jahre mit Liv Tyler eine Beziehung hatte. Die beiden Schauspieler lernten sich beim Dreh zu "Die Abbotts - wenn Haß die Liebe tötet" kennen. Der Film floppte, doch resultierte aus dem gemeinsamen Dreh eine feste Beziehung. Phoenix hat bis heute kein schlechtes Wort über seine Ex-Freundin - nach eigenen Angaben, die erste Frau, mit der ein Date hatte - verloren. Auch mit Interviews hat der humorvolle und sensible Schauspieler so seine Probleme. Aus einem Interview kann man sich seiner Meinung nach kein Bild von einem Menschen machen. Der Ruhm hat auch seine Schattenseiten, doch das Glücksgefühl beim Dreh macht vieles wett. Trotz mancher Eigenheiten möchte er nicht als problematischer Trauerkloß angesehen werden. Er selbst sagt, dass er Humor mehr als alles andere genießt und nicht etwa irgendwo herumsitzt, seinen Kopf gegen die Wand schlägt und die ganze Zeit weint. Nein, Joaquin, das denken wir nicht, ein bisschen verrückt ist doch schließlich jeder!
erschienen am 14. Juni 2008
Zum Thema
Joaquin Phoenix wächst mit seiner Familie in einfachen Verhältnissen in Puerto Rico auf. Als er sechs Jahre alt ist, lässt sich seine Familie in Los Angeles nieder. Zum Zeichen des Neubeginns ändert sie den Familienname von "Bottom" in "Phoenix". Ausgefallene Namen sind in der Phoenix-Familie die Regel. Seine Geschwister tragen die Namen Rain, River, Liberty und Summer. Also entschließt sich der kleine Joaquin im Alter von vier Jahren beim Laubfegen kurzerhand den Namen Leaf anzunehmen, zu..
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